Maxi in Ghana:   Report 1  -  Ankunft

Eigentlich sollte ich schon seit zwei Wochen in Ghana sein, aber es war ungemein schwierig ein Visum zu bekommen. Ich musste meine Reise also mehrmals verschieben und bin nun kürzer hier, als es ursprünglich geplant war. Drei Wochen habe ich nun Zeit meine Aufgaben zu erfüllen: Ich werde verschiedene Standorte der University of Health and Allied Scienes vermessen und notwendige Informationen herausfinden, die benötigt werden, wenn nächstes Jahr im Frühjahr IT-Experten von HITA e.V. nach Ghana reisen und an den verschiedenen Standorten ein Intranet einrichten, welches den Studentinnen und Studenten E-Learing bzw. M-Learning Möglichkeiten gibt. Wir versuchen die Aubildung der angehenden Krankenschwestern/Krankenpfleger, Hebammen und mental health- Tätigen zu optimieren, sodass langfristig das ghanische Gesundheitssystem profitiert.

IMG_6973

Ich werde mittels Fragebögen und persönlichen Gesprächen die Studentinnen und Studenten besser kennen lernen. Wir müssen wissen, wie diese jungen Leute lernen, wie sie leben und wie wir ihnen am besten helfen könnten. Zu diesem Zweck habe ich 500 Fragebögen im Koffer (die 2000 Seiten wiegen tatsächlich knapp 10 Kilo). Außerdem werde ich eine Spendenkampagne vorbereiten: HITA e.V. hat einen Container organisiert, der noch im Sommer dieses Jahres Informationstechnik, medizinische Geräte und sonstige dringend benötigten Güter nach Ghana bringen soll. Die anfangs beschriebenen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit ghanaischen Behörden und der Regierung wird uns aber auch dabei Probleme bereiten, also muss Vorarbeit geleistet werden, dass wir uns sicher sein können, dass alles ankommt – die Korruption spielt leider auch in Ghana eine nicht unwesentliche Rolle. Mit Herr Chance haben wir dabei aber einen guten Partner, der uns Dank seines Einflusses  helfen kann.

IMG_6966

Am 21.07.2017 bin ich dann also spät am Abend in Accra gelandet. Mein Flug hatte Verspätung und ich hätte in Lissabon fast meinen Anschlussflug verpasst. Ich war demnach sehr froh, dass alles geklappt hat. Am Flughafen wurde ich dann von zwei freundlichen Männern von der Universität abgeholt und nach Ho gefahren. Auch wenn ich sehr müde war, konnte ich während der gut zweistündigen Autofahrt nicht schlafen. Das lag aber weniger an den Straßen, die von Schlaglöchern und Ähnlichem geprägt sind, vielmehr war ich fasziniert von der Stadt, den Dörfern, den Läden, den Menschen und der Natur. Ich bin das erste Mal in Afrika und habe sehr früh festgestellt, dass hier tatsächlich alles anders ist, als in Deutschland oder Europa im Allgemeinen. Spät in der Nacht waren wir am Ziel: das Chances Hotel. Herr Chance ist nicht nur ein wichtiger Partner für uns, er ist auch mein Gastgeber. Am nächsten Morgen um etwa 7 Uhr traf ich das erste Mal auf ihn, Dr. Robert Kaba von der University of Health and Allied Sciences (ebenfalls ein wichtiger Partner und Freund von Thomas) war auch dabei. Beide haben mich sehr freundlich begrüßt und wir haben zusammen gefrühstückt. Mr. Chance hatte Recht, als er gesagt hat, dass das Obst hier in Ghana eine viel bessere Qualität hat, als in Deutschland…

IMG_7029

Nach dem Frühstück hat er mir das kleine Krankenhaus (Gesundheitszentrum wäre vielleicht ein besserer Name dafür) gezeigt, das er erbaut hat. In diesem Krankenhaus arbeiten vor allem Krankenschwetsern. Ärzte sind in der gesamten Region selten. Die Krankenschwestern scheinen aber einen guten Job zu machen, ich habe zwei von ihnen gesehen. Herr Chance hat auch einen Brunnen installiert, der das Krankenhaus mit fließendem und vor allem sauberen Grundwasser versorgt. Ich habe mir zweimal versichern lassen, dass das Wasser auch tatsächlich keimfrei ist und für den Gebrauch im Krankenhaus geeignet ist. Seife gibt es im Übrigen auch und ich habe auch einen Spender für Desinfektionsmittel an der Wand gesehen. Saubere Spritzen und Kanülen sind – soweit ich weiß- ebenfalls vorhanden. Benutztes Material wird nach Verwendung in den Müll geschmissen, wie mir Herr Chance erklärte. Das Gebäude ist auch im guten Zustand, es gibt verschiedene Stationen für verschiedene Zwecke, einen Wartebereich, Besprechungszimmer und beide Gebäude sind rollstuhlgerecht gestaltet. Das Krankenhaus hat sogar einen Ambulanzservice mit eigenem Krankenwagen. Zwei Motorräder stehen für Hausbesuche oder Ähnliches ebenfalls bereit. Dieses Gesundheitszentrum ist in jedem Fall ein Gewinn für den Ort.

IMG_7016

Trotzdem fehlt es leider an vielem: Es gibt im gesamten Krankenhaus nur eine Handvoll Betten, davon sind aber nur zwei richtige Krankenhausbetten mit Infusionsständer. Ein paar richtige Krankenhausbetten würden dem Krankenhaus wesentlich helfen. Die Kühlschränke für Medikamente funktionieren zwar, nur habe ich nicht viele Medikamente gefunden. An der Rezeption herrscht Papierchaos. Elektronische Datenverarbeitungsgeräte gibt es nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn dabei auch mal Patientenunterlagen verloren gehen. Ein Computer würde die bürokratischen Arbeitsabläufe im Krankenhaus wesentlich vereinfachen. Vermutlich würde fürs Erste auch eine Schublade mit Ordnern zum Abheften ausreichen. Das wäre besser als die vorhanden Kartons. Auf der Geburtsstation gibt es auch einen Inkubator, doch dieser ist leider veraltet. Ein neuerer Inkubator wäre mit Sicherheit auch hilfreich. An den Wänden im Krankenhaus hängen viele Blätter mit medizinischen Instruktionen. Vielleicht könnte das zukünftig auch elektronisch funktionieren. Also medizinische Handlungsanweisungen über das Mobiltelefon von einem Arzt aus Accra zum Beispiel…

IMG_7015

Herr Chance brachte mich anschließend zu sich nach Hause. Dort erzähle er mir von seinen Ambitionen seine Stiftung „Chances Foundation“ aufzubauen, um in der gesamten Gegend das Gesundheitssystem, die Bildung und die Agrarwirtschaft verbessern möchte. Emmanuel Chance würde diesbezüglich gerne mit HITA e.V. zusammen arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass das funktionieren würde und eine Zusammenarbeit viel bewirken würde – ich bin beeindruckt von Emmanuel Chance. Am Nachmittag haben wir gemeinsam gegessen: Herr Chance, Herr Dr. Kaba, Frau Prudens, zwei weitere UHAS Mitglieder und ich. Alle sind sehr freundlich und ich werde sicherlich gut mit ihnen auskommen. Herr Chance hat mir außerdem versichert, dass er uns bei der Spendenkampagne behilflich sein wird, und dass sich unser Kontaktmann für den Ablauf der Kampagne bei mir melden wird. Ich glaube, ich werde hier eine gute Zeit haben und gemeinsam mit Dr. Robert Kaba, Prof. Prudens, Herr Chance bzw. seinen Kontakten und den anderen produktiv sein.

IMG_7036