Maxi in Ghana:   Report 2  -  Dzolo Gbogame

Meine eigentliche Arbeit konnte am Montag beginnen. Der Fahrer sollte mich um 8 Uhr abholen und mich zur Universität fahren (SONAM). Tatsächlich wurde es dann 9 Uhr, sodass ich ungefähr um 9:20 Uhr auf dem Campusgelände von SONAM (School of Nursing and Midwifing) war. Ich traf Dr. Robert Kaba Alhassan und wir besprachen gemeinsam meinen Arbeitsplan in seinem Büro. Nun stellte sich aber heraus, dass ich einige Standorte (es handelt sich alles um medizinische Schulen/Universitäten für nicht-ärztliches medizinisches Personal), die ich eigentlich ebenfalls explorativ untersuchen sollte, überhaupt nicht besuchen kann: zu weit Entfernt und zu viel Bürokratie.

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Ich dachte, dass ich dann wenigstens am Hauptstandort mit der Arbeit beginnen konnte, also mit den Vermessungen, Fotos und dem Abklären allgemeiner IT-relevanten Fragen. Es sollte aber doch wesentlich komplizierter werden. Sehr viele Leute aus der Administrationsebene mussten erst umfassend informiert werden und mussten ihr Einverständnnis geben. Unglücklicherweise, hatten diese alle viel Kritik und viele Fragen, auf die ich keine Antworten hatte, weil es eben meine Aufgabe ist diese herauszufinden. Es kam noch erschwerend hinzu, dass ich die administrative Ebene der Universtät noch nicht in Gänze verstanden hatte und nicht sagen konnte, wer von meinen Gesprächspartner welche Funktion hat und wie wichtig er im Gefüge der Universität ist. Ich war froh, dass Robert Kaba mein ständiger Begleiter war und mich diesbezüglich sehr gut unterstützen konnte. Die Arbeit an der Universität (SONAM) verlief also erstmal nicht ganz nach Plan und war anfänglich definitiv schwierig.  Die gute Nachricht: Ich konnte am Montag mit dem Verteilen der Fragebögen beginnen, denn die betroffenen Dozenten und auch die Schülerinnen und Schüler haben die Intention und Bedeutung des Fragebogens verstanden. Auch hierbei war Robert Kaba wieder sehr hilfreich.

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Am nächsten Tag besuchte ich mit Prof. Prudens und Robert Kaba ein weiteres Gesundheitszentrum, das – wie die Klinik von Mr. Chances – ebenfalls von unserer Spendenkampagne profitieren soll. Wir mussten etwa eine halbe Stunde fahren, was aber auch trotz der schlechten Sraßen nicht schlimm war, der Weg dorthin führt nämlich durch atemberaubende Landschaften und eine wunderschöne Natur. Ich wusste, dass dieses Gesundheitszentrum in einem schlechten Zustand ist, hätte es mir aber niemals so schlimm vorgestellt…

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Das Gesundheitszentrum Dzolo Gbogame wird wie fast alle Gesundheitszentren nicht von einem Arzt besetzt. Das Personal besteht aus Hebammen und Krankenschwestern. Staatliche Unterstützung bekommt das Gesundheitszentrum nicht, es wurde nur von der (Dorf-)Gemeinschaft aufgebaut und finanziert. Nicht selten kaufen die Krankenschwestern von ihrem eigenen Geld Medikamente und medizinische Produkte, sonst hätte das Gesundheitszentrum keine. Die Krankenschwestern bzw. eine Hebamme waren es auch, die uns herumführten und uns mitteilten, was sie am dringendsten benötigen. Ich hatte mein Klemmbrett, einen Stift und ausreichend Papier dabei, um mir alles zu notieren. Hinterher stellte ich fest, dass es wesentlich einfacher gewesen wäre auszuschrieben, was NICHT gebraucht wird, denn die Liste der benötigten Geräte und Materialen ist endlos. Es ist keine Wasserleitung vorhanden; Wasser gibt es nur von einem Brunnen in unmittelbarer Nähe des “Krankenhauses” (so wird dort tatsächlich so genannt). Das Wasser soll aber keimfrei und für medizinische Zwecke geeignet sein.  Viel schlimmer: Es gibt keine sanitären Einrichtungen. Das “Abwasser” läuft in offenen Rinnen über die gesamte Einrichtung ab. Nicht selten müssen Cholera- und Durchfallpatienten in den Busch gehen, wenn sie auf die Toilette müssen. Für bakterielle Krankheiten ist dieser Zustand – nicht nur unter hygienischen Gesichtspunkten – katastrophal. Krankenhausbetten gibt es nur ein paar wenige veraltete. In einer Art Abstellkammer angrenzend zur Schwangeren – und Entbindungsstation lagen zwei Patienten auf dem Boden. Sie müssten eigentlich in ein Krankenhaus, wie man mir erklärte, aber dafür seien sie schlicht zu arm. Woran sie erkrankt sind, weiß dort auch niemand wirklich.

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Auf der Entbindungsstation gibt es keinen Inkubator, noch kann eine effektive Sterilisation der medizinischen Instrumente sichergestellt werden. Auf der Station kann allein schon durch die Beschaffenheit des Gebäudes keine Asepsis hergestellt werden. Antiseptika für Schleimhäute und allgemeine Behandlung von Wunden und Ähnlichem gibt es, weil die Hebamme es von ihrem Geld gekauft hat. Ob diese Mittel für den Krankenhausbetrieb geeignet sind, steht auf einem anderen Blatt. Die anderen Stationen sehen nicht anders aus. Für das gesamte Gesundheitszentrum gibt es ein Blutdruckmessgerät, Blutzuckermesgeräte fehlen. Dringend benötigt werden außerdem Geräte, um Neugeborene messen und wiegen zu können, denn die vorhandene Wage ist kaputt. Ebenso fehlt es Kühlschränken, die zur Aufbewahrung von Impfstoffen und sonstigen Pharmazeutika geeignet sind. Der vorhande Kühlschrank lässt sich gar nicht oder nur bedingt regulieren. Die Haltbarkeit bzw. Wirksamkeit einzelner Arzneimittel und vor allem Impfstoffen ist damit gefährdet. Im Allgemeinen gibt es in diesem Gesundheitszentrum keine Möglichkeit die Temperatur in den Räumen zu regulieren. In manchen Räumen, kann man nicht einmal die Fenster verdunkeln. Diese Einrichtung hat auch ein Labor, was dringend benötigt wird, um Krankenheiten diagnostizieren zu können. Es gibt nur ein Mikroskop, das ist aber leider ebenfalls nicht voll funktionsfähig.

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Um die Situation in diesem Gesundheitszentrum signifikant zu verbessern, müssten erstmal Wasserleitungen zu den einzelnen Räumen gelegt  werden und sanitäre Einrichtungen installiert werden. Priorität sollte außerdem sein, das Gesundheitszentrum mit Kühlschränken, Krankenhausbetten und Medizintechnik zur Sterilisation von Instrumenten auszustatten. Natürlich bräuchte das Gesundheitszentrum auch mehr Medikamente und geeignete Desinfektionsmittel für alle Stationen. Anschließend sollten Geräte wie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte sowie Inkubatoren bereitgestellt werden. Meiner Einschätzung nach, sollte erst dann die “mental health-Abteilung” des Gesundheitszentrums ausgebaut und verbessert werden. Um diesem Gesundheitszentrum zu helfen, bräuchten wir vermutlich zwei Container nur für diese Einrichtung…

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Eine Sache hat mich überrascht: Es gibt vielleicht keine Wasserleiungen und sanitäre Einrichtungen in diesem Gesundheitszentrum, aber es gibt Mobilfunkempfang. Die Einrichtung hat einen starken Empfänger. Die Krankenschwestern und Hebammen benutzen auch ihre Mobilfunktelefone, um Bilder von den  Verletzungen der Patienten zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass darin viel Potenzial steckt. Mittelfristig könnte man vielleicht auch die vielen Plakate/Poster mit medizinischen Instruktionen durch Informationstechnologie ergänzen und verbessern.