März 2022: Spendenpakete erreichen Mawuko Girls‘ Senior High School in Ho, Ghana

Es ist ein besonderer Tag für die Mädchenschule in der Voltaregion in Ghana. Auf dem Schulhof steht ein Tisch. Auf ihm eine Tischdecke und unzählige Pakete aus weißen, gelbem oder bunt bedrucktem Karton. Die Schulleitung um Ms. Ernestina D. A. Peniana ist überwältigt von den Spenden aus der Partnerschule in Frankfurt, Deutschland.

Viele Schülerinnen, deren knappes Budget für Hygieneartikel durch die steigenden Preise der vergangenen Monate inzwischen nicht mehr ausreicht, stehen erwartungsvoll um die Pakete. In einer Ansprache und mit einem Gebet sendet Schulleiterin Peniana Dank an alle Spender. Lehrerinnen und Lehrer verteilen Damenbinden und Tampons an die Schülerinnen. Verbandsmaterial und Pflaster werden der Krankenstation übergeben. Die Freude über die Spenden und die Schulpartnerschaft ist auf zahlreichen Fotos und Videos aus Ho erkennbar.

Nun gilt es, die Schulpartnerschaft weiter auf- und auszubauen und weitere gemeinsame Projekte in Angriff zu nehmen. Neben der Unterstützung durch Spenden sind der Austausch und das von- und miteinander Lernen und Erleben wesentliche Bestandteile der durch HITA e.V. initiierten Schulpartnerschaft.

Im Namen des gesamten Spendenaktionsteams danken wir allen Spenderinnen und Spendern und den unzähligen helfenden Händen!

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Schülerinnen freuen sich über die Spenden aus Frankfurt. Viele wurden von Schülerinnen und Schülern der Carlo-Mierendorff-Schule gesammelt und gespendet

Danke-Pakete

Schulleiterin Ms. Ernestina D. A. Peniana bedankt sich in einer Videoansprache für die vielen Spenden für die Schülerinnen und ihre Schule

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Das Team der Carlo-Mierendorff-Schule bedankt sich mit einer bunten DANKE-Postkarte bei allen Spenderinnen, Spendern und helfenden Händen

 

35 Pakete, 70 Kilo. Carlo-Mierendorff-Schule schickt Hygieneartikel an Partnerschule in Ghana

„Wir freuen uns riesig. 35 Pakete für unsere Partnerschule in Afrika!“ jubelt das Team der Frankfurter Schule. Am Tag der offenen Tür der Carlo-Mierendorff-Schule haben die Helferinnen und Helfer 35 Pakete gepackt und auf den Weg zur Mawuko Girls‘ Senior High School in Ho, Ghana gebracht. Gefüllt sind die Pakete mit rund 70 Kilogramm an Damenhygieneartikeln und Verbandsmaterialien, die aufgrund der Coronapandemie derzeit akute Mangelware in Ghana sind.

Das Team um Lehrerin Petra Knott richtet auf diesem Weg „Ein großes Dankeschön an alle, die diese Aktion mit Sach- und Geldspenden ermöglicht haben!“.

Die fleißigen Paketpackerinnen und Paketpacker haben im Dezember zu einer Spendenaktion aufgerufen. Neben den Sachspenden schicken einige Klassen auch Briefe mit Grüßen an ihre Partnerschule in Westafrika. Mit Spannung warten alle Spenderinnen und Spender jetzt auf Nachricht, sobald die Pakete in Ho eintreffen.

35 Pakete für Mawuko

Zuversichtlich in das Jahr 2022

Auch 2021 hat die Corona-Pandemie alle Planungen auf den Kopf gestellt, ob im privaten oder beruflichen Umfeld oder auch bei HITA e.V. Wir konnten nur über virtuelle Kanäle – per Telefon, Videokonferenz oder E-Mail mit unseren Partnerorganisationen und Partnern in Ghana kommunizieren. Eine Arbeitsreise war nicht möglich. Anfang 2021 war die einzige Chance, vor Ort mit unseren Partnern in der Volta-Region (Ghana) gemeinsam an unseren Zielen zu arbeiten. Neben der Einrichtung mehrerer Computer-Arbeitsräume, sogenannter Computer-Labs, konnten wir vor Ort in der Stadt Ho eine Schulpartnerschaft initiieren, sowie Direkthilfe in Form von Klinikausstattung und Verteilung von Schulranzen an Schülerinnen aus bedürftigen Familien ermöglichen.

Diese Schulpartnerschaft trägt nun Früchte. Die Partner-Schule in Deutschland, die Carlo-Mierendorff-Schule in Frankfurt am Main, schickt Verbandsmaterialien und Hygieneartikel an die Mawuko Girl’s Senior High School in Ho, Ghana. Pünktlich zu Weihnachten sammeln Schülerinnen und Schüler Spenden, und packen fleißig Päckchen für die Schülerinnen und das Personal für die Schule in der Volta-Region. Ein engagiertes Team plant die Aktivitäten im Rahmen der Partnerschaft für das kommende Schuljahr.

Die Auswirkungen von Covid-19 in Ghana machen sich besonders im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben bemerkbar. Neben der Verbreitung von Falschinformationen und teilweise widersprüchlichen Anweisungen der Regierung, die zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt haben, leidet die Bevölkerung nach wie vor an der explodierenden Arbeitslosigkeit sowie einem Anstieg der Preise für Güter des täglichen Bedarfs, darunter auch Hygiene-Artikel.

HITA e.V. hat bereits zu Beginn der Pandemie in mehreren Videokonferenzen von den Partnern in Ghana berichtet bekommen, dass sich viele junge Frauen Artikel für die Monatshygiene nicht mehr leisten können. Schülerinnen der HITA-Partnerschule “Mawuko Girls Senior High School” sind dadurch besonders während ihrer Periode in ihrer Freiheit eingeschränkt. HITA-Mitglieder, die durch privat versendete Hygiene-Pakete eine kleine Direkthilfe für diese Schülerinnen geleistet haben, werden inzwischen von der Partnerschule unterstützt. Zur Freude der Spenderinnen und Spender sind die Pakete schnell und unversehrt in Ghana angekommen.

Corona-bedingt, aber nach wie vor auch durch persönliche Herausforderungen in Kreisen der aktiven HITA-Mitglieder, konnten auch in diesem Jahr nicht alle geplanten Aktivitäten und Initiativen angegangen werden.

Um so mehr freuen wir uns über die engagierte Zusammenarbeit mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation (NRO), die sich in Ghana für Chancengleichheit und Gleichberechtigung durch Aufklärung zum Rollenverständnis und damit auch für die Gesundheitsvorsorge einsetzt. Hierfür werden Workshops, Rollenspiele sowie auch gezielte Informationsbereitstellung über moderne Kommunikationsmedien eingesetzt. Diese Zusammenarbeit zwischen Healthcare IT for Africa e.V. (Deutschland), der Grow Your Dream Foundation (Ghana) und den Schmitz Stiftungen (Deutschland) freut sich über Ihre Unterstützung.

Lesen Sie weitere Details zu unseren Aktivitäten und Kooperationen auf unserer Homepage www.hita-ev.org. Auch hier dürfen Sie gespannt sein. Im kommenden Jahr erscheinen die Projekte und Partner von HITA e.V. in neuer Aufmachung.

Der HITA-Vorstand freut sich auf Ihre Mitarbeit. Egal, ob im Bereich des Projektmanagements, der Kommunikation oder der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten – jeder kann sich aktiv engagieren.

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HITA-Kalender 2022

Hier finden Sie einen Jahreskalender für das Jahr 2022. Auf diesem sind sowohl die deutschen Feiertage, als auch die ghanaischen Feiertage zu finden. Sollte Ihnen ein Ausdruck vom heimischen Drucker nicht ausreichen, so besteht die Möglichkeit, Kalender nach Hause geschickt zu bekommen. Bitte wenden Sie ihre Anfrage – auch für große Auflagen für Ihren Freundeskreis oder Ihre Kolleginnen und Kollegen – an Daniel Gerlach (daniel.gerlach@hita-ev.org).

HITA – das passende Geschenk!

Egal, ob Weihnachten oder Geburtstag. Schenken Sie Ihren Liebsten Sinnvolles gemeinsam mit HITA e.V. Ob mit einer Spende für ein Hygiene-Paket an unsere Partnerschule, mit einer Spende für die Ausstattung eines IT-Arbeitsplatzes an einer Partnerschule in Afrika oder mit einer HITA-Mitgliedschaft könnt Ihr / können Sie mehrfach Freude schenken. Nutzen Sie die Gelegenheit und melden sich bei uns: info@hita-ev.org.

…und auch, wenn Sie anderswo Geschenke kaufen, können Sie HITA e.V. unterstützen. Wann immer Sie eine Bestellung bei Amazon tätigen, können Sie HITA e.V. eine Unterstützung in Höhe von 0,5% Ihres Umsatzes zukommen lassen – ganz einfach und für Sie kostenlos über das Programm “AmazonSmiles”. Durch die Auswahl von “Healthcare IT for Africa e.V.” als Adressat landet diese Spende bei HITA e.V. Vielen Dank! Eine Anleitung finden Sie hier: https://www.hita-ev.org/?page_id=4440

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien frohe Festtage und ein gutes Jahr 2022. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich. Arbeiten Sie gemeinsam mit HITA e.V. auch im kommenden Jahr an sinnvollen nachhaltigen Zielen!

Ihr HITA e.V. Vorstand.

Thomas Erkert, Daniel Schleßmann, Günther Michels, Karsten Gareis, Daniel Gerlach

Nur gemeinsam können wir es schaffen!

Healthcare IT for Africa e.V. (HITA e.V., www.hita-ev.org) ist eine gemeinnützige Nicht-regierungsorganisation. HITA e.V. ist ein Zusammenschluss von Experten und Expertinnen aus den Bereichen Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Gesundheitswesen, Betriebswirt-schaft, Management und Informationstechnologien, die sich alle ehrenamtlich engagieren.

HITA e.V. realisiert seit 2009 Bildungsprojekte für Berufsschulen, sowie Telemedizin- und Infrastrukturprojekte für den Gesundheitsbereich. Der Fokus liegt aktuell auf den ländlichen Gebieten Ghanas.

Als gemeinnützig tätige Nichtregierungsorganisation ist es die Vision von HITA e.V., mithilfe von eHealth- und mHealth-Technologien zur Optimierung der beruflichen Bildung des nichtärztlichen Personals beizutragen. Das sind Formen des Lernens, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien verwendet werden und die Möglichkeit besteht, portable Endgeräte, z.B. Smartphones oder Tablets, einzusetzen.

Das Ziel von HITA e.V. ist die nachhaltige Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Lebensqualität in ländlichen Gebieten Afrikas.

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Healthcare IT for Africae.V.

c/o iDiaZ GmbH

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97980Bad Mergentheim

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Fax: +49-(0)7931-120 40 11

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Web: www.hita-ev.org

HITA-Schulkooperation zwischen der Carlo-Mierendorff-Schule (Frankfurt, Deutschland) und der Mawuko Girls‘ Senior High School (Ho, Ghana)

2018

Der Jahrgang 6 der Carlo-Mierendorff-Schule gestaltet eine Unterrichts-einheit zum Thema „Kinder- und  Menschenrechte“.

Dabei entsteht gemeinsam mit HITA e.V. die Idee, einen  Ghana-Aktionstag zu planen. Hier soll  gebrauchtes Spielzeug für Kinderstationen in Krankenhäusern, Kindergärten und Grundschulen gesammelt werden.  Dieses Projekt wird 2019 im Jahrgang 6 noch einmal durchgeführt.

Mawuko-CMS_1Übergabe der Spenden und Geschenke in Ho, Ghana 2019

2019

Im März fahren die Lehrerinnen Frau Aouad und Frau Knott mit dem Verein nach Ghana zur Springs Preparatory School (Kindergarten bis 8. Klasse). Außerdem besuchen sie drei Highschools in Ho, um eine Schulpartnerschaft aufzubauen.

Es werden diverse Kriterien angewendet, um entscheiden zu können, welche Schule mit der CMS eine solche Kooperation eingehen könnte. Die Entscheidung fällt auf die Mawuko Girls‘ Senior High School. Die Gesamtkonferenz beauftragt die Kolleginnen, einen Kooperationsvertrag mit dieser Schule einzugehen. Der Schulelternbeirat unterstützt das Vorhaben.

Mawuko-CMS_2Unterzeichnung des Kooperationsvertrages 2019

2020-2021

Durch die Einschränkungen und die Herausforderungen der Covid-Pandemie für die beiden Schulen beschränkt sich der Kontakt bis Sommer 2021 auf wenige Videokonferenzen.

Die Gespräche werden wieder aufgenommen und intensiviert. HITA e.V. und die CMS beginnen, die Partnerschaft wieder zu beleben.

Mawuko-CMS_3Gemeinsames Lernen und kultureller Austausch sollen mit Spaß und Freude gefördert werden

Neben einer Spendenaktion wird in allen Jahrgangsstufen, auf dem Schulinformationstag sowie im Umfeld der Schule das Konzept der Schulpartnerschaft vorgestellt und weiterentwickelt.

Laden Sie den Flyer Kooperationsflyer herunter und besuchen Sie die Homepage der Carlo-Mierendorff-Schule:

Webseite:  http://www.carlo-mierendorff-schule.de/
Flyer Download: Spendenflyer_Download

Digital unterstütztes Community Engagement für Geschlechtergerechtigkeit und soziale Entwicklung: Ausrangierte Smartphones gesucht! – Sammelaktion Winter 2021/2022

BMZ-gefördertes Kleinprojekt „Digital unterstütztes Community Engagement für Geschlechtergerechtigkeit und soziale Entwicklung“, Adaklu, Ghana

Warum?

Der Distrikt Adaklu ist einer der ärmsten Regionen Ghanas und weist erhebliche Entwicklungsrück-stände auf, wie sich z.B. an der hohen Mütter- und Neugeborenen-Sterblichkeit sowie der Zahl der Teenagerschwangerschaften zeigt. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich ein von dem deutschen gemeinnützigen Verein HITA e.V. und der ghanaischen NGO Grow Your Dream Foundation (GYDF) initiiertes Projekt auf Geschlechtergerechtigkeit und ihre Rolle für die soziale Entwicklung. Der Fokus liegt hierbei darauf, den weiblichen Teil der Bevölkerung eine größere Rolle bei Entscheidungsprozessen zu verschaffen, Aufklärungsarbeit zu Fragen der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte“ zu leisten und Mädchen eine gleichwertige Schulausbildung zukommen zu lassen. Wie umfangreiche Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren bewiesen haben, stellt die Gleichstellung der Geschlechter einen hocheffektiven Schlüssel zur Armutsbekämpfung insbesondere in Entwicklungsländern dar*. Das Projekt wird von den Schmitz-Stiftungen aus Mitteln des EZ-Kleinprojektefonds des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gefördert.

GYDF_1Arbeit vor Ort (2021, Quelle: GYDF)

Seit Start des Projektes im Frühjahr 2021 wurden bereits viele wichtige Ziele erreicht. Das GYDF-Team hat in 10 Dorfgemeinschaften Adaklus die Gründung von Daddies‘ Clubs und Mother Support Groups initiiert, in denen interessierte Dorfansässige über Geschlechterrollen, die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen und die Überwindung traditioneller Hindernisse für die volle gesellschaftliche Partizipation von Frauen zu beteiligen. GYDF setzt hierfür eine Reihe von Techniken an, um die Auseinandersetzung mit der Thematik so ansprechend wie möglich zu gestalten und gleichzeitig Hemmungen, die einem offenen Austausch erschweren, abzu¬bauen. Jede Gruppe verfügt über zwei Leaders, die mittels einer Train-the-Trainer-Schulung für ihre Rolle fit gemacht wurden.

GYDF_2Projektteilnehmer (2021, Foto: GYDF)

In der letzten Phase des zunächst einjährigen Projektes sollen die Gruppenleitenden aus den 10 Dörfern nun miteinander vernetzt werden, wozu auf die schon weit verbreitete Nutzung von Social-Media-Diensten auf Smartphones zurückgegriffen werden soll. In der Tat ist die Abdeckung mit schmalbandigen mobilen Datendiensten auch in ländlichen Gebieten Ghana sehr gut – worüber sich das HITA-Team vor Ort vergewissern konnte.

Wie sich im Laufe des Projektes herausstellte, verfügen jedoch die wenigsten der freiwilligen Group Leaders über ein Smartphone, da sie i.d.R. über keine eigene Einkommensquelle verfügen. Aus diesem Grund wollen wir in den kommenden Monaten ausgesonderte Smartphones nach Ghana schicken, die an die Betreffenden ausgehändigt werden sollen. Prepaid-SIM-Karten mit einem für den Zweck ausreichenden Guthaben werden von HITA finanziert. Eine Einführung in die Nutzung der Smartphones zum Zweck des Austausches über Social-Media-Gruppen (z.B. WhatsApp Group Chat) wird durch unseren lokalen Partner, die GrowYourDream Foundation, durchgeführt.

GYDF_3Nutzung von Smartphones (2021, Foto: GYDF)

Was benötigen wir?

Benötigt werden nur funktionsfähige Smartphones, deren Akku noch recht gut arbeitet (oder aber austauschbar ist). Risse im Display und ähnliche Schäden sind kein Problem, solang die Bildschirmanzeige noch gut erkennbar ist. Auch noch verfügbares Zubehör wie Ladekabel, Hülle, etc. wird gerne genommen. Falls auf dem Gerät befindliche Fotos und Daten noch nicht gelöscht worden sind, werden wir dies nachholen. Wir werden die Geräte dann auf sicherem Wege (persönlich oder per FedEx) nach Ghana schicken. Falls Zollgebühren anfallen sollten, werden wir diese übernehmen.

Wohin sollen die Geräte?

Bitte schicken Sie die Geräte vor dem 15. April 2022 an folgende Adresse (Arbeitsadresse des zuständigen HITA-Mitglieds Karsten Gareis):

Karsten Gareis, HITA e.V., Pipinstr. 12, 53111 Bonn.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: karsten.gareis@hita-ev.org

Wir bedanken uns recht herzlich!

Über Grow Your Dream Foundation:

Die Grow Your Dream Foundation (GYDF) ist eine in Adaklu, Ghana ansässige Nichtregierungsorganisation (NRO), die in den Bereichen Gleichstellung der Geschlechter, Bildung für Alle und Gesundheitsförderung tätig ist. Im Laufe der Jahre hat das Team von GYDF unzählige Treffen, Gruppensitzungen, Diskussionsrunden und andere Aktivitäten zur Förderung von Gesundheit, Bildung und Gleichstellung der Geschlechter in den Gemeinden des Bezirks Adaklu organisiert. Das Hauptaugenmerk des Vereins liegt dabei auf partizipativen Methoden und der Verwendung einfacher und verständlicher Botschaften, die stets auf die lokalen Gegebenheiten, Bedürfnisse und Vorlieben zugeschnitten sind.

Im Jahr 2019/2020 hat sich GYDF mit HITA sowie einer anderen lokalen NRO und lokalen Gemeindevorstehern (Togbes) zusammengetan, um die Verteilung von Schultaschen an Mädchen aus benachteiligten Verhältnissen in Adaklu-Waya und einigen umliegenden Dörfern zu organisieren – aus der Überzeugung heraus, dass auch sozial benachteiligte Mädchen und jungen Frauen in der Region in die Lage versetzt werden müssen, in vollem Maße an der Gesellschaft teilzunehmen. In den letzten Monaten bestand die Arbeit von GYDF vor allem darin, in ländlichen Dörfern Adaklus Selbsthilfegruppen mit Interesse an einem positiven gesellschaftlichen Wandel zu gründen und leiten. Zu diesen Gruppen gehören die sogenannten Daddy’s Clubs, Mother Support Clubs und Adolescent Clubs.

Im Jahr 2020 hat GYDF eine Reihe von Aktivitäten zur Bekämpfung der Ausbreitung von COVID-19 und zur Unterstützung der Landbevölkerung bei der Bewältigung der negativen Auswirkungen der Pandemie – z. B. Preiserhöhungen für Waren des täglichen Bedarfs, Schwierigkeiten beim Zugang zu Sozial- und Gesundheitsdiensten und Stigmatisierung von Personen, von denen angenommen wird, dass sie das Virus in sich tragen – durchgeführt.

COVID-19: Kein Grund zur Entwarnung – Update Volta Region

COVID-19: KEIN GRUND ZUR ENTWARNUNG – Ein Update zur Situation in Ghanas Volta-Region

Karsten Gareis, HITA, 15.7.2020  -  mit Input von Jacob Ahiave / Grow Your Dream Foundation

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1 Die aktuelle Lage

In einem kürzlich erschienenen Bericht [1] fasst Chatham House, ein britischer Think Tank, die allgemeine Wahrnehmung der Auswirkungen von COVID-19 auf den afrikanischen Kontinent wie folgt zusammen: “Trotz der Einschränkungen der öffentlichen Gesundheit, der weit verbreiteten Infektionskrankheiten und der Unterernährung hat COVID-19 in Afrika bisher weniger Schaden angerichtet als ursprünglich befürchtet”. Mit Ausnahme Südafrikas sind die Infektionsraten und die mit COVID-19 zusammenhängenden Todesfälle in Subsahara-Afrika (SSA) vergleichsweise niedrig geblieben, insbesondere im Vergleich zur Zahl der Todesfälle unter nicht-weißen Menschen in Südamerika und anderen Teilen der Welt. Es gibt jedoch noch keinen Grund zur Selbstzufriedenheit, da “[...] die Situation sich täglich ändert und erhebliche Unsicherheiten bestehen bleiben. [...] Resilienz sollte nicht zu Selbstgefälligkeit führen, die selbst zu einem großen Risiko werden würde” [2].

Die Regierung Ghanas hat der COVID-19-Problematik von Anfang an ein hohes Maß an Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dabei hat sie sich gestützt auf die erfolgreichen Erfahrungen des Landes bei der Bekämpfung der westafrikanischen Ebola-Epidemie (2013–2016). Ghana profitiert zudem von Nothilfe durch die Weltbank in Höhe von 35 Millionen US-Dollar, um “dem Land zu helfen, verbesserte Reaktions­systeme bereitzustellen” [3].

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Am 15.3. diesen Jahres wurden alle öffentlichen Versammlungen verboten, einschließlich Konferenzen, Workshops, Beerdigungen, Festivals aller Art, politische Kundgebungen, kirchliche Aktivitäten und andere damit verbundene Veranstaltungen, um die Verbreitung von Corona einzudämmen. Seit dem 22.3. sind alle Außengrenzen geschlossen. Vom 29.3. bis zum 20.4. wurde eine Ausgangssperre über zwei Stadtregionen (Accra und Kumasi), in denen die ersten Fälle von Infektionen gemeldet worden waren, verhängt. Weitere Maßnahmen sind die Desinfektion von Märkten vor allem in der Region Accra, eine spezielle Lebensversicherung für Gesundheitspersonal, das unmittelbar mit der Pandemie in Berührung kommt, sowie die Einrichtung von Quarantänezentren. Ein besonderes Gewicht wird gelegt auf die Ausweitung von Tests in allen Teilen des Landes und auf die Nachverfolgung von Personen, mit denen erwiesenermaßen Infizierte in den letzten zwei Wochen Kontakt hatten. Ebenfalls im April wurden alle Grundschulen, Gymnasien und Universitäten, sowohl öffentliche als auch private, geschlossen. Dies ist bis heute der Fall, mit Ausnahme solcher Jahrgänge, für die i diesem Sommer Abschlussprüfungen anstehen.

Das Tragen von Nase-Mund-Masken an öffentlichen Orten und die Einhaltung von ausreichend Abstand ist seit Juni landesweit Pflicht. Die Strafen bei Zuwiderhandlung sind streng: Für die Weigerung, in der Öffentlichkeit eine Gesichtsmaske zu tragen, sieht die neue Gesetzgebung eine Gefängnisstrafe von 4 bis 10 Jahren oder eine Geldstrafe von GHS 12.000-60.000 (ca. € 2.000-10.000) oder beides (!!) vor [4]. Das neue Gesetz ist weithin als unverhältnismäßig kritisiert worden angesichts der Tatsache, dass es vielen ärmeren Ghanaer*innen bereits schwer fällt, die Kosten für eine regelmäßige Versorgung mit Gesichtsmasken zu tragen. Die tatsächlich verhängten Strafen sind denn auch weniger drakonisch. So hat die Stadtverordnetenversammlung von Ho eine Sofort-Strafe von GHS 20 gegen Personen beschlossen, die ohne Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit erwischt werden; diese wird auch häufig verhängt. [5]

Die von der Regierung und dem nationalen Gesundheitssystem Ghanas unternommenen Anstrengungen haben sicherlich dazu beigetragen, eine schnelle Verbreitung der Krankheit im Land zu vermeiden. Betrachtet man die Gesamtzahl der Fälle im Verhältnis zur Bevölkerung, so beträgt die Rate in Ghana derzeit etwa ein Drittel derjenigen in Deutschland, ein Fünftel der Rate Südafrikas und weniger als ein Zehntel derjenigen der USA sowie Brasiliens [6]. Betrachtet man die Zahl der COVID-19-bedingten Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung, so ist die Zahl für Ghana 25-mal kleiner als für Deutschland. Anfang Juli überschritt die Zahl der aktiven Fälle erstmals die Marke 5.000, bevor sie wieder leicht zurückging. Offiziell gab es bisher 129 Todesfälle, die in einem kausalen Zusammenhang mit COVID-19 standen – eine sehr geringer Wert, wenn man sie beispielsweise mit der Zahl der jährlichen Tuberkulosetoten in Ghana (über 16.000) vergleicht. [7]

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2 Besteht Grund zur Sorge?

Es gibt jedoch einige Gründe, die dafür sprechen, keine vorschnellen Schlüsse aus den offiziellen Statistiken zu ziehen. Aufgrund der begrenzten Testkapazitäten in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, zu denen Ghana zählt, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Todesfälle mit COVID-19-Bezug im Vergleich zu Ländern mit höherem Einkommen deutlich unterschätzt wird. Trotz des ehrgeizigen Ansatzes der Regierung Ghana, was die Ausweitung von Tests und die konsequente Nachverfolgung von Kontaktpersonen betrifft, dürfte die tatsächliche Anzahl der Infizierten auch hier um ein vielfaches über dem offiziellen Wert liegen. Die Zahl der Tests (tägliche Tests pro 1 Million Menschen) in Ghana lag Anfang Juli bei 99, verglichen mit 843 in Deutschland und 752 in Südafrika[8]. Die Zahl der Tests pro bestätigten Fall ist in Ghana mit 5 ungefähr gleich hoch wie in Südafrika (4,4), aber deutlich geringer als in Deutschland (174).[9]

Verglichen mit der geringen Gesamtzahl der gemeldeten COVID-19-Infektionen und -Todesfälle in Ghana fällt auf, wie viele Politiker mit dem Virus infiziert wurden. Die Liste umfasst:

  • den amtierenden Gesundheitsminister (genesen);
  • den Leiter der Sekondi-Takoradi Metropolitan Assembly (verstorben);
  • den Leiter der Nationalen Krankenversicherungsbehörde (NHIA) (genesen);
  • den Leiter der Forstkommission und ehemaligen Generalsekretär der regierenden New Patriotic Party, NPP (verstorben);
  • den Stellvertretenden Minister für Handel und Industrie (genesen);
  • den Regionalminister für die Volta-Region (genesen);
  • den „Senior Minister of the Republic of Ghana“ (in Isolation);
  • den amtierenden Minister für Bildung (genesen).

Anfang Juli verkündete das Bildungsministerium, dass 90% (!) seiner Mitarbeitenden positiv auf das Coronavirus getestet wurden [10]. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet sich Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo auf Anraten von Ärzten immer noch in selbst auferlegter Isolation: eine Person aus seinem engsten Beraterkreis war positiv auf das Coronavirus getestet worden; der Präsident selbst soll jedoch negativ getestet worden sein [11].

Viele dieser Fälle sind jüngeren Datums, was darauf hindeutet, dass es nicht statthaft ist zu behaupten, Ghana habe “den Höhepunkt seiner COVID-19-Infektionen bereits Anfang Mai erreicht”, wie vom Leiter des öffentlichen Gesundheitswesens des ghanaischen Gesundheitsdienstes (GHS) und der Regierung bereits vor einigen Wochen öffentlich verlautbart [12]. Leider gibt es Anzeichen, dass wahlpolitische Überlegungen die Art und Weise, wie die Regierung mit der Pandemie umgeht, nicht unerheblich beeinflussen: Im Dezember 2020 finden in Ghana Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, bei denen sich die regierende NPP und die Oppositionspartei National Democratic Congress etwa gleichgroße Chance auf den Sieg ausrechnen. Vor diesem Hintergrund ist jede offizielle Stellungnahme der Regierung zur Entwicklung der Pandemie in Ghana mit großer Vorsicht zu genießen.

Abgesehen von der Ungewissheit über das tatsächliche Ausmaß der Ausbreitung von COVID-19 sieht sich das Land einigen Herausforderungen gegenüber, die dringend angegangen werden müssen. Der ghanaische Gesundheitsminister hat einige davon in einem kürzlich erschienenen Bericht an die WHO über die Erfahrungen Ghanas mit der Pandemie aufgelistet: [13]

Verbreitung von Falschinformationen

Wie in unserem ersten Bericht über COVID-19 und die aktuelle Situation in Adaklu erörtert, stellt die Verbreitung von Falschinformationen und Gerüchten über die Herkunft des Virus, seine Übertragbarkeit und Methoden zur Vorbeugung und Behandlung ein erhebliches Problem in der momentan Situation dar. Weiterhin gilt, dass dringend effektive Maßnahmen zur besseren Aufklärung der Bevölkerung getroffen werden müssen.

Nichteinhaltung von Regeln zum Abstandhalten

Trotz der harten Strafen bei Verstößen gegen die von der Regierung beschlossenen COVID-19-Regeln, inklusive der Pflicht zum Abstandhalten, gibt es guten Grund davon auszugehen, dass die Vorgaben in der Praxis oft nicht eingehalten werden. Dafür gibt es viele strukturelle Gründe, aber auch einige, die sich – so zumindest die Ansicht vieler Expert*innen – hätten vermeiden lassen.

Ein zentrales Beispiel ist die aktuell stattfindende, landesweite Registrierung der Wähler*innen für die Wahlen im Dezember. Der öffentliche Prozess der Registrierung, die an zentralen Orten in allen Teilen des Landes stattfindet, hat zur Folge, dass sich viele Menschen in Gruppen versammeln, wobei es oft zu stundelangem Schlange Stehen kommt. Trotz Aufforderungen, die Erstellung eines neuen Wählerregisters zu verschieben, beharrte die Wahlkommission Ghanas auf der Notwendigkeit, ein völlig neuen Register zu erstellen, statt eine Aktualisierung des bestehenden vorzunehmen [14]. Die Wahlkommission hat versprochen, dafür zu sorgen, dass alle COVID-19-Regeln an den Registrierungsposten eingehalten werden, doch viele Beobachter*innen äußern Zweifel, ob dies möglich sein wird. Eine Gruppe von Expert*innen aus dem Gesundheitssektor reichte eine formelle Beschwerde bei der Wahlkommission ein, der zufolge “die Durchführung einer massenweisen Wählerregistrierung zu einem Zeitpunkt, in dem das Land gegen die Covid-19-Pandemie kämpft, zu einer Zunahme an COVID-19 bedingten Todesfällen führen wird [...], da das Verfahren das Zusammentreffen von Menschen in einer Weise fördern wird, die unbeabsichtigt die Abstandsregeln untergräbt und somit die Ausbreitung der Krankheit in der Gemeinschaft erleichtert”. [15]

Beobachtungen in der Stadt Ho deuten in der Tat darauf hin, dass die Wählerregistrierung die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet, da sich die Einhaltung von ausreichend Abstand aufgrund der großen Zahl von Wählern, die sich registrieren lassen wollen, als unmöglich erweist – siehe die Fotos unten, aufgenommen am 10. Juli.

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Auch eine weitere Entscheidung der Regierung birgt die Gefahr von Verstößen gegen die Regeln zum Abstandhalten. Im Juni wurden Schüler*innen der Junior High und Senior High Schools sowie die Studierenden an den Universitäten aufgefordert, in ihre Klassen zurückzukehren, insofern sie in diesem Semester ihre Abschlussprüfungen abzulegen haben. Zwar forderte Präsident Akufo-Addo die Lehrer nachdrücklich auf, “ihren Unterricht unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln durchzuführen”, doch die tatsächliche Situation in den Schulen und Universitäten macht dies oft nahezu unmöglich. Laut Berichten von unseren Partnerschulen in Ho lässt es sich dort auch momentan nicht vermeiden, dass sich Dutzende von Schülerinnen einen einzigen Schlafsaal teilen müssen – ausreichend Platz, um durchgehend einen Mindestabstand einhalten zu können, ist schlichtweg nicht vorhanden. Die Lage wird verschlimmert durch die Tatsache, dass im April die Regenzeit begonnen hat; der häufige, starke Regen hat zwangsläufig zur Folge, dass Schüler*innen die meiste Zeit drinnen verbringen, wo die Gefahr einer Übertragung des Corona-Virus erheblich höher ist. Tatsächlich wurden am 13. Juli die erste COVID-19-Fälle sowohl an der Mawuli- als auch der Mawuko Girls’ Senior High School in Ho bekannt. [16]

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Verleugnung asymptomatischer COVID-19-Fälle

Im Gegensatz zu anderen übertragbaren Krankheiten verlaufen Infektionen mit COVID-19 oft asymptomatisch, d.h. ein großer Teil der Infizierten zeigt selbst keine Symptome. Viele Ghanaer*innen scheinen die Möglichkeit nicht zu akzeptieren, dass eine Person Träger der Infektion sein kann, ohne selbst irgendwelche Symptome zu verspüren – was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Virus durch unvorsichtiges Verhalten wie z.B. unzureichendem Abstandhalten weitergegeben wird.

Stigmatisierung von genesenen COVID-19-Patienten

Die Stigmatisierung von Patienten, die eine Infektion mit COVID-19 durchlebt haben, stellt ein erhebliches Risiko für die psychische Gesundheit der Betroffenen dar. Darüber hinaus kann die Angst vor Stigmatisierung (und davor, in zentralen Einrichtungen isoliert zu werden) dazu führen, dass Personen mit Symptomen, die möglicherweise mit COVID-19 in Zusammenhang stehen (wie Husten oder Niesen), versuchen, ihren Zustand zu verbergen, anstatt medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ausbleiben bzw. Verzögerungen bei Aktivitäten des öffentlichen Gesundheitswesens und unzureichende Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten

Die Erfahrungen der vergangenen Monaten haben gezeigt, dass viele Entwicklungsländer Aktivitäten im Bereich der öffentlichen Gesundheit wie z.B. Impfkampagnen aussetzen bzw. verschieben, weil die Bewältigung der Pandemie den Großteil ihrer Ressourcen in Anspruch nimmt. Zudem ist es schwieriger geworden, die Zielgruppen von Impfungen und anderen Gesundheitskampagnen zu einer Teilnahme zu bewegen, weil Ängste bestehen, dass diese das Risiko einer Infektion erhöhen könnte – denn in der Regel finden Impfungen an zentralen Orten wie z.B. einer Gesundheitsstation (in Ghana z.B. ein CHPS Compound) statt.

Nach Schätzungen von Prof. Fred Binka von der University of Health and Allied Sciences in Hohoe, einem führenden Epidemiologen Ghanas, ist die Inanspruchnahme von Vorsorgemaßnahmen für Mütter und Säuglinge seit dem Ausbruch von COVID-19 landesweit um 50% zurückgegangen. [17]

Im Rahmen Ghanas langjährigen Strategie zur Malariaprävention war geplant, im Jahr 2020 wieder mit Insektizid behandelte Moskitonetze zu verteilen. Eine solche Aktion findet alle drei Jahre im Rahmen einer von der WHO koordinierten, weltweiten Massenkampagne zur Verteilung von Moskitonetzen an die am meisten betroffenen Teile der Bevölkerung statt. Angesichts von COVID-19 wurde die Verteilung in Ghana jedoch vorerst ausgesetzt. Jede Verzögerung dieser Art dürfte direkt zu einem Anstieg der malariabedingten Todesfälle führen. [18]

Die gegenwärtige Praxis der Isolierung von Personen, von denen angenommen wird, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sein könnten, verschlimmert die Lage. Wir erhielten Berichte, nach denen in Adaklu und der benachbarten Stadt Ho Personen, die wegen Symptomen, die durch COVID-19 verursacht werden könnten, einen Arzt aufsuchen oder von aus anderen Gründen angenommen wird, dass sie infiziert sind, nicht nach Hause zurückkehren dürfen, sondern 14 Tage lang in einem Gebäude auf dem Gelände des Gesundheitszentrums Kpetoe isoliert werden. Das HITA-Team besuchte die Einrichtung im Frühjahr 2019, um mehrere Krankenhaus­betten sowie von unseren Unterstützer*innen ge­spendetes IT-Equipment zu übergeben. Das nebenstehende Foto, das während unseres Besuchs aufgenommen wurde, zeigt das Gebäude, welches derzeit als Isolierstation dient. Unter solchen Umständen erscheint es mehr als verständlich, wenn viele Menschen den Besuch einer Gesundheitsein­rich­tung vermeiden, da sie die Gefahr sehen, nur auf den Verdacht einer Infektion mit Corona hin unter Quarantäne gestellt zu werden.

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3 Was wir tun

Wir erörtern derzeit mit unseren Freunden und Freundinnen in der Volta-Region, wie HITA in der aktuellen Situation am besten helfen kann. Unsere wichtigsten Partner dabei sind zwei Schools der University for Health and Allied Sciences (UHAS), nämlich die School of Nursing and Midwifery (SONAM) in Ho und die School of Public Health (SPH) in Hohoe. Darüber hinaus stehen wir in ständigem Kontakt mit Togbe Lablulu in Adaklu-Waya und mit dem Team der Grow Your Life Foundation. Mit diesen haben wir gemeinsam einen Interventionsplan ausgearbeitet, um Meinungen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen der Landbevölkerung im Zusammenhang mit COVID-19 zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf den praktischen Herausforderungen liegt, denen sich die Menschen bei der Einhaltung der COVID-19-Vorschriften (z.B. Abstandhalten, Schutzkleidung, Hygiene, Selbstisolierung) und beim Zugang zu Gesundheitsdiensten in der aktuellen Situation gegenübersehen. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden wir Schulungsmaßnahmen entwickeln, mit denen insbesondere Community Health Nurses weitergebildet werden sollen. Angesichts ihres engen Kontaktes zu der Dorfgemeinschaft erscheinen solche Krankenschwestern in idealer Weise geeignet, um Menschen in peripheren Landesteilen darüber aufzuklären und direkt zu unterstützen, wie sie am besten mit den durch die Pandemie verursachten Risiken und Härten umgehen können.

Wie es der Überzeugung von HITA entspricht, sind wir besonders interessiert an Maßnahmen, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologie zum Einsatz kommt. Geplant ist, die Potenziale der Mobiltelefonie und der wachsenden Verbreitung von Smartphones auch in ländlichen Regionen Ghanas in vollem Umfang zu nutzen, um kostengünstige, auf die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung zugeschnittene Lösungen zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen.


[2]     ibidem

[6]     Ghana (10 July, 2020): 756; Germany: 2365; South Africa: 4019; UK: 4237; Brazil: 8260. Source: https://ourworldindata.org/grapher/total-confirmed-cases-of-covid-19-per-million-people?tab=table

Unterstützen Sie unsere Arbeit durch HITA Weihnachtsgeschenke & HITA Kalender

Liebe Vereinsmitglieder, Freunde und Interessierte,

 

ein ungewöhnliches Jahr liegt hinter uns allen – in Deutschland und in der ganzen Welt. Die Corona-Pandemie hat alle Planungen auf den Kopf gestellt, ob im privaten oder beruflichen Umfeld, oder auch bei HITA e.V. Unsere Arbeitsreise zum vergangenen Jahreswechsel war die einzige Chance, vor Ort mit unseren Partnern in der Volta-Region (Ghana) gemeinsam an unseren Zielen zu arbeiten. Neben der Einrichtung mehrerer Computer-Arbeitsräume, sogenannter Computer-Labs, konnten wir vor Ort in der Stadt Ho eine Schulpartnerschaft initiieren, sowie Direkthilfe in Form von Klinikausstattung und Verteilung von Schulranzen an Schülerinnen aus bedürftigen Familien ermöglichen.

 

Ebenfalls um die vergangene Jahreswende herum konnten wir eine Video-Konferenz aus dem ghanaischen Hinterland mit einer Hochschule in Deutschland organisieren: ein Konzept, das vielversprechend ist und das HITA e.V. in der kommenden Zeit intensivieren möchte. Der Austausch zwischen Lernenden, Lehrenden und Experten aus unterschiedlichen Teilen der Welt sowie die gemeinsame Arbeit an Projekten zur Nutzung moderner Kommunikations- und IT-Möglichkeiten zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten Sub-Sahara Afrikas.

 

Die Auswirkungen von Covid-19 in Ghana beschränken sich bislang vor allem auf das öffentliche und gesellschaftliche Leben. Neben der Verbreitung von Falschinformationen und teilweise widersprüchlichen Anweisungen der Regierung, die zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt haben, leidet die Bevölkerung momentan an der explodierenden Arbeitslosigkeit sowie einem Anstieg der Preise für Güter des täglichen Bedarfs, darunter auch Hygiene-Artikel. So hat HITA e.V. in einer der zahlreichen Videokonferenzen mit den Partnern in Ghana berichtet bekommen, dass sich viele junge Frauen Artikel für die Monatshygiene nicht mehr leisten können. Schülerinnen der HITA-Partnerschule “Mawuko Girls Senior High School” sind dadurch besonders während ihrer Periode in ihrer Freiheit eingeschränkt. HITA-Mitglieder haben durch privat versendete Hygiene-Pakete eine kleine Direkthilfe für diese Schülerinnen geleistet. Zur Freude der Spenderinnen und Spender sind die Pakete schnell und unversehrt in Ghana angekommen. Mehr Informationen zu der Covid-19-Lage in Ghana finden Sie auf unserer Homepage www.hita-ev.org .

 

Corona-bedingt, aber auch durch persönliche Herausforderungen in Kreisen der aktiven HITA-Mitglieder, konnten in diesem Jahr nicht so viele Aktivitäten und Initiativen angegangen werden, wie ursprünglich geplant war. Um so wichtiger ist die Zuversicht, im Laufe des kommenden Jahres wieder größere, langfristige und nachhaltige Aktionen ins Auge fassen zu können.

 

Der HITA-Vorstand freut sich auf Ihre Mitarbeit. Egal, ob im Bereich des Projektmanagements, der Kommunikation oder der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten – jeder kann sich aktiv engagieren.

 

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HITA-Kalender 2021
Hier finden Sie einen Jahreskalender für das Jahr 2021. Auf diesem sind sowohl die deutschen Feiertage, als auch die ghanaischen Feiertage zu finden. Sollte Ihnen ein Ausdruck vom heimischen Drucker nicht ausreichen, so besteht die Möglichkeit, sich einen oder mehrere große stabile Exemplare des Kalender nach Hause zu bestellen: Zu den Kosten von ca. 6 € für den Versand kommen 2 € pro Kalenderexemplar dazu. Eine Sendung mit Kalendern (im Format DinA 1) schicken wir Ihnen gerne gegen eine Aufwandsentschädigung von 16 € zu. Bitte wenden Sie sich hierfür an Daniel Gerlach (daniel.gerlach@hita-ev.org). Der Versand kurzfristiger Anfragen erfolgt bis 28.12., so dass die Kalender aller Voraussicht nach bis zum Jahreswechsel bei Ihnen eintreffen werden.

 

HITA-Weihnachtsgeschenke
Sind Sie noch auf der Suche nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk? Verschenken Sie Ihren Liebsten Sinnvolles gemeinsam mit HITA e.V. Egal, ob eine Spende für ein Hygiene-Paket an unsere Partnerschule, eine Spende für die Ausstattung eines IT-Arbeitsplatzes an einer Partnerschule in Afrika oder eine HITA-Mitgliedschaft könnt Ihr/ können Sie – und das auch noch “last minute” – mehrfach Freude schenken. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die im Anhang dieser Email zusammengestellt sind. Melden Sie sich bei zum 23.12. bei HITA e.V. und Sie erhalten Ihre Urkunde bis zum 24.12. per Email zugestellt! – IT-Paket  -  Hygiene-Paket  -  Mitgliedschaft

 

…und auch, wenn Sie anderswo Geschenke kaufen, können Sie HITA e.V. unterstützen. Wannimmer Sie eine Bestellung bei Amazon tätigen, können Sie HITA e.V. eine Unterstützung in Höhe von 0,5% Ihres Umsatzes zukommen lassen – ganz einfach und für Sie kostenlos über das Programm “AmazonSmiles” und Auswahl von “Healthcare IT for Africa e.V.” als Adressat der Spende. Anleitung siehe hier:https://www.hita-ev.org/?page_id=4440

 

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien frohe Festtage und ein gutes Jahr 2021. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

 

Ihr HITA e.V. Vorstand.
Thomas Erkert, Daniel Schleßmann, Günther Michels, Karsten Gareis, Daniel Gerlach

 

Nur gemeinsam können wir es schaffen!

 

________________________
Healthcare IT for Africae.V.
c/o iDiaZ GmbH
Theodor-Klotzbücher-Straße 12D
97980Bad Mergentheim
Phone: +49-(0)7931-1204010
Fax: +49-(0)7931-120 40 11
Email: info@hita-ev.org

Interview mit Professorin Kirstin Kohler – Hochschule Mannheim / inno.space

Co-Innovation von Studierenden der Hochschule Mannheim mit der Non-Profit-Organisation HITA e.V. im Kontext Digital Health – Eine Win-Win-Situation für die Beteiligten

Digitale Innovation wird häufig von technischen Fragestellungen getrieben. Dies spiegelt sich auch in den Curricula der entsprechenden Studiengänge wie Informatik oder Nachrichtentechnik. Doch die Entwicklungen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass Softwaresysteme große Auswirkungen auf gesellschaftliche Veränderungen haben können und ihre Gestaltung im soziokulturellen Kontext betrachtet werden muss, um deren nachhaltige Bedeutung abschätzen zu können. Man beachte bspw. die Wirkung von sozialen Medien oder die jüngsten Diskussionen zur Verwendung einer Corona App als prominente Vertreterin digitaler Innovationen. Hochschulen müssen sich also Lehrkonzepte überlegen, die die Studierenden für ihre soziale Verantwortung sensibilisieren und sie befähigen, Technikgestaltung von einer sozialen, gesellschaftlichen bzw. menschzentrierten Perspektive aus zu betreiben. Denn erfolgreiche digitale Innovation kann nur entstehen, wenn Nutzerzentriertheit und technischer Fortschritt im Einklang stehen und im kulturellen Kontext eingebunden sind.

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Im Kurs User Centered Innovation haben 8 Studierende des Masterstudiengangs Software Engineering der Hochschule Mannheim in Zusammenarbeit mit HITA e.V. gezeigt, wie es gelingen kann, gemeinsam einen Mehrwert für eine gemeinnützige Institution zu schaffen und gleichzeitig die oben beschriebenen Kompetenzen im Rahmen eines Kurses zu entwickeln. HITA e.V. ist eine gemeinnützig tätige Nichtregierungsorganisation, deren Vision es ist, mithilfe von eHealth- und mHealth-Technologien zur Optimierung von Gesundheitssystemen in Afrika beizutragen. Während des projektbasierten Kurses haben die Studierenden über einen Zeitraum von 15 Wochen eine Lösung zu einer Herausforderung aus dem Alltag der HITA erarbeitet. Gleich zu Beginn des Projektes hat HITA die Studierenden mit folgender Frage konfrontiert: „Wie kann durch digitale Innovation das klinische Management und die Organisation einer lokalen Gemeindeklinik in Ghana unterstützt werden?“ Motiviert war diese Fragestellung durch die Erfahrungen der beiden HITA-Vertreter Thomas Erkert und Daniel Gerlach, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit über umfassendes Hintergrundwissen zum ghanaischen Gesundheitssystem verfügen.

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Die Hochschule verfolgt einen Ansatz der nutzerzentrierten Innovation, in dem Kreativmethoden, Prototyping und Nutzerinterviews angewendet werden, zum Beispiel nach der Design Thinking-Methodik. Dabei arbeiten die Studierenden mit sogenannten „Assignments“. Dies sind wöchentliche Aufgabenstellungen, mit denen die Studierenden schrittweise Methoden erlernen, um die komplexe Fragestellung zu bearbeiten, die an sie herangetragen wird. Die Fragestellung führt zunächst bei den Studierenden zu einer Unsicherheit, da sie wesentlich offener ist als die Fragestellungen anderer Kursformate. Die damit einhergehenden Freiheitsgrade des Lösungsraums sind ungewohnt und überfordern zunächst. Unter methodischer Anleitung der betreuenden Lehrkraft fand in den ersten Wochen die Exploration des Problemraums durch die Studierenden statt. Dazu gehörte es, Besonderheiten und Abläufe des ghanaischen Gesundheitssystems zu erkunden und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes zu verstehen. Dies hat den Studierenden die großen Unterschiede in Bezug auf Hygiene, Bettenkapazitäten, Behandlungsmethoden, Abläufe und Einrichtung der medizinischen Zentren im Vergleich zum eigenen Gesundheitssystem verdeutlicht. Basierend auf diesen Einsichten wurden verschiedene Personas erstellt, die die Erkenntnisse zur Zielgruppe und ihren täglichen Herausforderungen dokumentieren (in diesem Fall wurden Hebamme, Krankenschwester und Patient betrachtet). Das Beispiel der Krankenschwester ist in der Abbildung unten dargestellt.

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Mit Blick auf die Zielgruppen waren die Studierenden dann gefordert, aufbauend auf ihrer umfassenden Kenntnis digitaler Technologie verschiedene Lösungen zu erdenken und diese grob zu skizzieren. Die Arbeit fand in Kleingruppen statt und hat zunächst zu mehr als 40 verschiedenen Ideen geführt. Aus diesen haben die Studierenden fünf Ideen zu sogenannten Low-Fidelity Prototypen weiterentwickelt. Dabei handelt es sich um Vorstufen des Produktes, die aus einfachen Materialen wie Papier und Pappe in kurzer Zeit erstellt werden. Die Ideen werden also zunächst nicht in Code umgesetzt, sondern in Konzeptrepräsentationen, die lediglich der Kommunikation und Diskussion dienen. Aus den sehr unterschiedlichen Konzeptideen wurden im Dialog mit den HITA-Vertretern die zwei vielversprechendsten ausgewählt. In den folgenden Wochen haben die Studierenden diese durch mehrere Iterationen zu clickbaren Demonstratoren auf dem Zielgerät ausgearbeitet. Es kamen wiederholte Methoden zum Einsatz, die die Güte der Ausarbeitung von verschiedenen Perspektiven aus beleuchteten (bspw. User Experience, Machbarkeit, Kosten).

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Während des gesamten Kurses standen die HITA-Experten mit viel Einsatzbereitschaft im Dialog mit den Studierenden, um Fragen zu Ghana zu beantworten oder Rückmeldung zu den Konzeptideen zu geben. Die Studierenden konnten durch die intensive Beschäftigung mit dem ghanaischen Kontext erleben, wie eng der Einsatz einer Anwendung im konkreten Kontext mit deren Ausgestaltung und Implementierung verwoben ist. Das Highlight des Kurses war ein geführter Nutzertest mit dem ghanaischen Krankenhaus, in dem die Studierenden im Rahmen einer einstündigen Videokonferenz die Chance hatten, verschiedene Vertreter einer Klinik in Ghana durch ihre digitale Lösung zu führen, um deren Akzeptanz zu erkunden und Bedenken entgegenzunehmen. Dies war vor allem deshalb möglich, weil die HITA-Vertreter im Rahmen ihrer Reise nach Ghana die Videokonferenz vor Ort organisieren konnten. Zum Stolz aller Beteiligten waren die Rückmeldungen der potentiellen Nutzer überaus positiv und gaben ergänzende, wertvolle Impulse. Den offiziellen Abschluss des Projektes bildete schließlich eine umfassende Präsentation des Gesamtergebnisses durch die Studierenden vor Thomas Erkert und Daniel Gerlach von HITA e.V. auf dem Hochschul-Campus.

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Die Kooperation mit der HITA e.V. war aus Sicht der betreuenden Professorin ein großer Gewinn für die Lehre. Sie hat den Studierenden ein Lernerlebnis ermöglicht, in dem sie die Folgen ihrer Technikentscheidungen in einem gesellschaftlichen Kontext reflektieren mussten. Auf diese Weise konnten die Studierenden sich ihrer Verantwortung, aber auch ihrer kreativen Möglichkeiten, bewusst werden. Gleichzeitig wurden sie für die Gegebenheiten einer anderen Kultur und Gesellschaft sensibilisiert, die von weit mehr Einschränkungen geprägt ist als die eigene Lebenswirklichkeit.

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Der Kurs fand im inno.space (https://inno-space.de) statt, dem Kreativ- und Makerspace der Hochschule Mannheim, die Teil des weltweiten Design Factory Global Netzwerkes (https://dfgn.org) ist. Dort arbeiten Studierende nach dem Prinzip des Action-Based-Learnings in kreativer Lernumgebung ausschließlich an realen Fragestellungen. Im Gegensatz zur Kooperation mit HITA e.V. beschäftigen sich viele weitere inno.space-Projekte mit Herausforderungen von Firmen und sind damit stark von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Durch die Zusammenarbeit mit einem Non-Profit-Unternehmen wie HITA e.V. gelingt es, die Nachhaltigkeit und das Allgemeinwohl stärker in den Fokus eines Kurses zu rücken. Eine Aufgabe, die die Hochschulen, als Einrichtungen mit gesellschaftlicher Verantwortung, zunehmend wahrnehmen. Alles in allem war das Projekt eine glückliche Win-Win-Situation, wie sie sich nur selten ergibt und aus Sicht der Hochschule Mannheim hoffentlich eine Wiederholung findet.

In einem aufschlussreichen Interview berichtet Professorin Kirstin Kohler von der Entstehung und Entwicklung des Projektes. Mit im Gespräch ist außerdem Daniel Gerlach von HITA:

Hochschule Mannheim

Prof. Kirstin Kohler - Koordinatorin inno.space – Design Factory Mannheim – Professur für User Experience Design

Email: k.kohler@hs-mannheim.de  -   Webseite: www.inno-space.de

Health Care Information Technologies for Africa e.V. (HITA e.V.)

Thomas ErkertVereinsvorsitzender von HITA e.V. – thomas.erkert@hita-ev.org

Daniel Gerlach – Experte im Vorstand von HITA e.V. – daniel.gerlach@hita-ev.org

Podcast zum Projekt: https://hearthis.at/hita-radio/erkert-gerlach-15-06-2020/

Artikel zur Videokonferenz: https://www.hita-ev.org/?p=4149

Videokonferenz zwischen Ghana und der Hochschule Mannheim

Videokonferenz im ghanaischen Hinterland – ein transkontinentaler Austausch zwischen Experten

Schotterpisten, Buschbrände und sengende Sonne. Es ist ein brennend heißer Tag. Der Pick-Up verlässt knarzend die asphaltierte Straße aus Ho in Richtung Adaklu Waya. Ho, das ist die Regional-Hauptstadt der Voltaregion im Südosten von Ghana, nicht weit von der Grenze zu Togo entfernt. Die Voltaregion ist eine der ärmsten Gegenden in Ghana. Viele Menschen leben weit verstreut in kleinen Dörfern oder Siedlungen. Zu einem dieser Dörfer fährt der Pick-Up. Der Fahrer weicht gekonnt Felsbrocken und Schlaglöchern aus. Es ist wackelig. Die Fahrt ist zügig. Die Fenster sind zu, weil es sonst zu viel Staub und Dreck in das Auto wehen würde. Am Straßenrand sehen die Mitfahrer verbrannte Erde, Viehtreiben und Menschen, die in Kanistern Wasser aus einem Loch neben der staubigen Piste nach Hause tragen. Hier in der Volta-Region engagiert sich HITA e.V. für die Verbesserung der medizinischen Versorgung. Und ein HITA-Team ist an Bord des Pick-Ups. Thomas Erkert und Daniel Gerlach, beide im Vereinsvorstand von HITA e.V., überprüfen noch einmal die Technik. Petra Knott, früher Krankenschwester, heute Lehrerin, bereitet eine Check-Liste vor. „Wir hatten Zweifel, ob das alles so funktionieren würde, wie wir es in Deutschland vereinbart hatten!“, erinnert sich Daniel Gerlach, der für die technische Ausstattung verantwortlich war.

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Abbildung 1: E.P.C. Clinic in Adaklu Waya, Volta Region, Ghana

Nach rund einer Stunde ist die Ruckelei vorbei. Der Pick-Up biegt auf den Parkplatz vor einem modernen Gebäude ab, eine kleine Klinik für die medizinische Erstversorgung (Abbildung 1). Hauptsächlich sind es Malaria, Infektionen oder Wunden, die hier behandelt werden. Auch Kinder erblicken hier das Licht der Welt. Hinter den Türen ändert sich das Bild. Staubige Waschbecken ohne fließend Wasser, Patientenzimmer ohne Betten, Schaumstoffmatratzen auf dem Boden oder einem Holzpodest. Beim Bau des Gebäudes wurde, so der Eindruck der Experten aus Deutschland, die Einrichtung nicht berücksichtigt (Abbildung 2 und 3).

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Abbildung 2: In der E.P.C. Clinic Adaklu Waya fehlt es an Ausrüstung. Das Gebäude wurde durch eine Privatinitiative finanziert

Das HITA-Team geht vorbei am Operationssaal, oder dem, was so genannt wird. An eine Operation ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Am Ende des Ganges ist der Empfang, davor ein Wartebereich. Hier werden die Experten aus Deutschland herzlich empfangen. Thomas Erkert, Petra Knott und Daniel Gerlach bringen langjährige Erfahrung aus dem Gesundheitsbereich mit. Togbe Lablulu freut sich über das Wiedersehen: „Ihr habt versprochen, dass ihr wiederkommt und ihr habt Euer Versprechen gehalten!“. Ein Togbe ist als Stammesführer mit einem Bürgermeister in Deutschland vergleichbar. Neben ihm ist ein Team aus Hebammen, Krankenpflegerinnen und -pflegern, sowie ein Vertreter des Klinikbetreibers anwesend. Die Spannung steigt.

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Abbildung 3: In der E.P.C. Clinic Adaklu Waya fehlt es an Ausrüstung. Das Gebäude wurde durch eine Privatinitiative finanziert

Schnell wird noch ein Banner von HITA e.V. aufgestellt und dann geht es los. Daniel Gerlach baut einen Laptop mit Webcam auf dem Empfangstresen auf. Daneben kommt ein Mobiltelefon für die Datenverbindung. Ein Klick, um den Videoanruf zu starten. Und es klingelt. Plötzlich Stimmen und Bilder aus Mannheim. Die Verbindung steht. Die Qualität ist gut. Die Studierenden aus Mannheim freuen sich auf der einen Seite der Leitung. Das medizinische Personal am anderen Ende der Leitung ist gespannt: die Studentinnen und Studenten der Hochschule Mannheim präsentieren den Prototypen einer App zur Dokumentation von Krankheitsverläufen in strukturschwachen Gegenden (Abbildung 4).

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Abbildung 4: HITA e.V. ermöglicht eine Videokonferenz zwischen der Hochschule Mannheim und medizinischem Personal aus Ghana

Diese App ist im Rahmen eines Design Thinking-Kurses entstanden. Design Thinking ist eine Methode zur Entwicklung von Systemen und Lösungen, bei denen die Nutzer, also hier Patienten und medizinisches Personal, im Mittelpunkt stehen. Die Krankenpflegerinnen und -pfleger in Ghana geben konstruktives Feedback und überlegen sich einen möglichen Einsatz der vorgestellten App in ihrem Klinikalltag. Der Klinikmanager bewertet die Ideen aus Deutschland als vielversprechend und würde sich über eine weitere Zusammenarbeit freuen. Die als Rückfalloption mitgebrachten Ausdrucke der vorbereiteten Präsentation kommen nicht zum Einsatz. Das Mobilfunknetz ist in Adaklu Waya ausreichend stark, um die Datenverbindung zu ermöglichen. Nach einer guten Stunde des Austausches folgt man, wie in Ghana üblich, dem Protokoll und Togbe Lablulu bedankt sich bei allen Beteiligten für die inspirierenden Einblicke und die Möglichkeit, in dieser besonderen Art mit jungen Menschen kontinentübergreifend zusammen zu arbeiten.

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Abbildung 5: Neben Krankenpflegern und Hebammen ist auch der Geschäftsführer der Klinikkette und der Togbe (Stammesführer) vor Ort

Geschafft! Es hat alles geklappt! Die Anspannung verfliegt und es wird noch ein wenig „geschwätzt“ (Abbildung 5). Daniel Gerlach baut die provisorische Videotelefonie-Anlage wieder ab. Petra Knott und Thomas Erkert richten gemeinsam mit dem Klinikpersonal noch zwei Patientenzimmer ein. In der Zwischenzeit hat eine Reinigungskraft den gröbsten Schmutz beseitigt. Moderne Patientenliegen, Betten und Möbel, die HITA e.V. als Spende eines Krankenhauses in Deutschland per Schiffs-Container nach Ghana gebracht hat, werden überprüft und dem Klinikpersonal erklärt: „Neben Sauberkeit und Hygiene ist es essentiell, dass die Möbel so aufgestellt werden, dass man die Patientinnen und Patienten von jeder Seite aus erreichen kann“, ist nur eine der vielen Hilfestellungen, die Petra Knott und Thomas Erkert mit dem Personal aus Ghana diskutieren (Abbildung 6 und 7).

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Abbildung 6: Das HITA-Team erklärt die Handhabung von medizinischer Ausrüstung und unterstützt bei der Einrichtung der Klinik

Um viele neue motivierende Eindrücke reicher, steigt das HITA-Team einige Stunden später wieder in den Pick-Up. Unterwegs fahren Arbeiter, Bauern und Schüler ein Stückchen mit. Sie steigen geschwind auf die Pritsche und klopfen an die hintere Scheibe, wenn sie wieder absteigen möchten, um den Weg zu ihrem Zuhause zu Fuß durch den Busch zu beenden. In der Dämmerung erreicht der Pick-Up wieder die Stadt Ho. Die Zusammenarbeit geht auch nach der Rückkehr der HITA-Experten nach Deutschland weiter. Aus dem Prototypen der App soll eine einsetzbare marktreife Lösung entwickelt werden. Das Pflegepersonal, der Klinikmanager und Togbe Lablulu sind gespannt auf das Ergebnis.

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Abbildung 7: Das HITA-Team erklärt die Handhabung von medizinischer Ausrüstung und unterstützt bei der Einrichtung der Klinik

Am 15. Juni haben wir ein Podcast mit weiteren aktuellen Informationen zu diesem Projekt auf unserer Audio-Plattform HITA Radio online gestellt. Die beiden HITA Vorstände Thomas Erkert und Daniel Gerlach berichten in einem aufschlussreichen Interview über die Entstehung des Projekt, der aktuellen Entwicklung der App und von der Video-Konferenz, die sie Anfang des Jahres während ihres Ghana-Besuchs gemeinsam mit Experten vor Ort und mit den Studenten in Mannheim geführt haben.

Über HITA e.V.:

Healthcare IT for Africa e.V. (HITA e.V., www.hita-ev.org) ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation. HITA e.V. ist ein Zusammenschluss von Experten und Expertinnen aus den Bereichen Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Gesundheitswesen, Betriebswirtschaft, Management und Informationstechnologien, die sich alle ehrenamtlich engagieren. HITA e.V. realisiert seit 2009 Bildungsprojekte für Berufsschulen, sowie Telemedizin- und Infrastrukturprojekte für den Gesundheitsbereich. Der Fokus liegt aktuell auf den ländlichen Gebieten Ghanas. Als gemeinnützig tätige Nichtregierungsorganisation ist es die Vision von HITA e.V., mithilfe von eHealth- und mHealth-Technologien zur Optimierung der beruflichen Bildung des nichtärztlichen Personals beizutragen. Das sind Formen des Lernens, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien verwendet werden und die Möglichkeit besteht, portable Endgeräte, z.B. Smartphones oder Tablets, einzusetzen. Das Ziel von HITA e.V. ist die nachhaltige Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten Afrikas.

Artikel als PDF zum Download: HITA Videokonferenz

Was Covid-19 für das ländliche Ghana bedeutet

Was Covid-19 für das ländliche Ghana bedeutet – ein erster Bericht aus Adaklu, Volta Region

Karsten Gareis, HITA, 5.4.2020 (aktualisiert am 14.4.2020) -  Dank für Input an Jacob Ahiave / Grow Your Dream Foundation und Celestin Yao Etiam, Adaklu, Ghana

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1.) Einführung

Das Land Ghana scheint aufgrund seiner Erfahrungen mit früheren Epidemien, insbesondere der Ebola-Epidemie in Westafrika (2013-2016), gut aufgestellt zu sein, um der aktuellen Gefahr einer massiven Ausbreitung von Covid-19 zu begegnen. Damals erhielt Ghana von der WHO und Experten weltweit viel Lob dafür, die Bedrohung durch Ebola sehr erfolgreich gemeistert zu haben. Dieser Erfolg wurde zurückgeführt auf:

interministerielle Anstrengungen zur Überwachung der Häfen, der Einwanderungs- und Sicherheitsdienste und des ghanaischen Gesundheitsdienstes sowie die nationalen und regionalen technischen Koordinierungsausschüsse sowie die Sensibilisierungsbemühungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Zur Verwaltung der Fälle wurden drei Ebola-Behandlungszentren eingerichtet. Sie waren mit der Überwachung, Lagebeobachtung und -bewertung, dem Fallmanagement, der Gesundheitserziehung, der sozialen Mobilisierung und der Risikokommunikation, der Logistik, der Sicherheit, der Bereitstellung der finanziellen Ressourcen sowie der Planung und Koordination beauftragt. Für an vorderster Front tätiges Gesundheitspersonal, das an der Prävention und Kontrolle von Ebola arbeitet wurde ein spezieller Versicherungsschutz eingeführt – ein weiterer positiver Schritt. Um Ebola von Ghana fernzuhalten, unternahm die Regierung weitreichende Maßnahmen im Bereich von Bildung und Ausbildung, schuf ein Bewusstsein in den Medien, Kirchen, Schulen und an öffentlichen Orten und förderte Präventivmaßnahmen wie Händewaschen, Vermeidung unnötigen Körperkontakts mit kranken Menschen, Änderung der Beerdigungsverfahren und verstärkte Überwachung/Durchsuchung an den Häfen.” [1]

Natürlich bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Ebola und Corona. Ebola ist etwa 30 Mal tödlicher als Corona, aber letzterer verbreitet sich viel leichter. Dennoch können viele der während der Ebola-Epidemie erprobten Verfahren auch auf die aktuelle Herausforderung angewendet werden. Der erste Fall von mit Corona infizierten Personen in Ghana wurde am 12.3.2020 gemeldet. Bis zum 12.4. stieg die Zahl der Fälle auf 566, von denen 8 tödlich verlaufen sind. In der Volta-Region wurden die ersten 9 Fälle am 12.4. gemeldet.

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Die Regierung hat auf den Ausbruch von Corona schnell und entschieden reagiert. Am 15.3.2020 wurden alle öffentlichen Versammlungen verboten, einschließlich Konferenzen, Workshops, Beerdigungen, Festivals aller Art, politische Kundgebungen, kirchliche Aktivitäten und andere damit verbundene Veranstaltungen, um die Verbreitung von Corona einzudämmen. Grundschulen, weiterführende Schulen und Universitäten, sowohl öffentliche als auch private, wurden ebenfalls geschlossen. Seit dem 22.3. bis mindestens zum 19.4. sind alle Außengrenzen geschlossen. Am 30.3. wurde eine zunächst zweiwöchige Ausgangssperre für drei Stadtregionen, in denen Fälle von Infektionen gemeldet wurden, in Kraft gesetzt: Accra, Tema und Kumasi (einschließlich deren Vorstädte). Die Ausgangssperre ist inzwischen um zwei weitere Wochen verlängert worden. In diesen Gebieten dürfen nur Bewohner, die lebenswichtige Dienstleistungen erbringen, wie Gesundheitspersonal, einige wichtige Regierungsbeamte, Restaurants und Lebensmittelverkäufer, ihre Wohnung verlassen. Außerdem dürfen Menschen ihre Behausungen verlassen, um Lebensmittel zu kaufen. Ein Fokus liegt auf der Identifizierung von Personen, mit denen die erwiesenermaßen Infizierten in letzter Zeit Kontakt hatten, und auf der stärkeren Nutzung von Tests in allen Teilen des Landes. Weitere Maßnahmen sind die Desinfektion von Märkten vor allem in der Region Accra, eine spezielle Lebensversicherung für Gesundheitspersonal, das unmittelbar mit der Pandemie in Berührung kommt, sowie die Einrichtung von Quarantänezentren. Darüber hinaus ergriffen die Regierung und der staatliche Gesundheitsdienst (GHS) eine Reihe von Maßnahmen, um die Öffentlichkeit über angemessenes Verhalten zur Eindämmung der Bedrohung durch Corona zu informieren; so wurde ein auf Whatsapp basierenden Benachrichtigungsservice eingeführt, und landesweit wurden Plakate ausgehängt mit Anweisungen zum korrekten Verhalten.

Die entscheidende Frage ist nun, inwieweit die getroffenen Maßnahmen dazu beitragen können, eine starke Ausbreitung des Virus in der ghanaischen Bevölkerung zu verhindern. Die Wissenschaft ist sich noch nicht im Klaren darüber, ob bzw. in welchem Maße warmes Wetter die Ausbreitung des Virus tendenziell hemmt, was Länder wie Ghana – wo das Thermometer in weiten Teilen des Landes fast nie unter 20° C sinkt – vor den schlimmsten Auswirkungen der Pandemie bewahren würde. Andererseits besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Auftreten dieser neuen Krankheit verheerende und dauerhafte Auswirkungen auf das ohnehin schon anfällige Gesundheitssystem des Landes haben wird. Ghanas Gesundheitsbehörden sind sich sehr wohl bewusst, “dass die Krankenhäuser nur einen Bruchteil der Bedürftigen versorgen könnten, wenn sich das Virus in überfüllten Städten, abgelegenen Dörfern und unter gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie Flüchtlingen, Unterernährten oder Menschen, die an HIV und anderen chronischen Krankheiten leiden, ausbreitet” [2]. Ausgehend von den jüngsten Erfahrungen anderer Länder ist Ghana sicherlich gut beraten, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

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Wie in anderen Ländern mit niedrigem und niedrigem mittlerem Einkommen (LMIC) sind die Rahmenbedingungen für die Bewältigung einer Corona-Infektionswelle in Ghana äußerst ungünstig. An vielen Orten Ghanas stellt schon das Händewaschen eine Herausforderung dar, weil kaum Zugang zu fließendem Wasser besteht. Die Isolierung der Fälle (d.h. die räumliche Trennung von Menschen, die bereits positiv getestet wurden, von anderen Gemeinde- und Haushaltsmitgliedern) und die Quarantäne zu Hause (14-tägige, totale Ausgangssperre für Menschen, die exponiert wurden und möglicherweise infiziert sind) werden nur möglich sein, wenn eine Bereitschaft in der Bevölkerung besteht, den öffentlichen Anweisungen Folge zu leisten. Dies kann eine Herausforderung darstellen insbesondere aufgrund von Angst vor Stigmatisierung und wegen mangelnder Einsicht in die Logik der Epidemie, d.h. die Tatsache, dass Personen mit keinen oder leichten Symptomen diese auf andere übertragen können und diese damit eine ernsthaften Gefahr aussetzen. Außerhalb der großen Agglomerationen dürfte es sich darüber hinaus als sehr schwierig erweisen, einzelne Regionen von anderen komplett abzuriegeln.

Verschärft wird die Gefahrenlage durch die weite Verbreitung von Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose. Zahlreiche Menschen leiden bereits an chronischen Krankheiten und sind daher besonders vulnerabel. Die Mortalität unter Personen, die an einer Lungenentzündung oder anderen Infektionen der unteren Atemwege erkranken (wie sie für schwere Fälle von Covid-19 typisch sind), ist in Afrika deutlich höher als in Ländern mit höherem Einkommen [3]. Betrachtet man die Sterblichkeit über alle Altersgruppen hinweg in Ghana, sind solche Infektionen für mehr Todesfälle verantwortlich als jede andere Ursache (etwa 20.000 jährlich). Etwa 5.000 Kinder unter 5 Jahren sterben jedes Jahr an Lungenentzündung [4]. Unter diesen Bedingungen könnte das Coronavirus leicht zu einer großen Zahl zusätzlicher Todesfälle führen.

Während eine rasche Ausbreitung von Corona somit katastrophale Folgen für Ghana zeitigen könnte, wird die Pandemie selbst dann weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit der ghanaischen Bevölkerung haben, wenn das Virus selbst nicht direkt zu einem signifikanten Anstieg der Sterblichkeitsraten führt. Der Grund sind die indirekten Effekte der Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona. Zu diesen gehören Arbeitslosigkeit und die daraus resultierenden sinkenden Haushaltseinkommen, steigende Preise für Gebrauchsgüter und eine sich verbreitetende Tendenz unter Kranken, Schwangeren und anderen Pflegebedürftigen, aus Angst vor einer Infektion oder Quarantäne keine medizinische Hilfe mehr in Anspruch zu nehmen (siehe nächster Abschnitt).

So oder so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Land in seinen Bemühungen, die vieldiskutierten „Sustainable Development Goals“ zu erreichen (z.B. Reduzierung der Mortalitätsraten von Müttern und Neugeborenen), um Jahre zurückgeworfen wird.

2.) Allgemeine Herausforderungen für Ghana mit Bezug auf Covid-19

Die ersten Fälle von Covid-19 in der Volta-Region wurden erst am 12. April gemeldet. Bereits in in den Wochen zuvor haben die Maßnahmen der Regierung sowie die Berichterstattung in den Medien und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken begonnen, das tägliche Leben selbst in den entlegensten Teilen des Landes zu beeinflussen.

Verbreitung von Falschinformationen

Eine große Herausforderung stellt das dar, was als “Corona-Infodemie” bezeichnet wird – d.h. die enorme Verbreitung von Gerüchten und Falschinformationen rund um die aktuelle Epidemie. Einige dieser Gerüchte verursachen Schaden, indem sie die Menschen in vermeintlicher Sicherheit wiegen, z.B. durch die Behauptung, dass Schwarze gegen das Virus immun sind oder dass dieses bei einer Temperatur von mehr als 26°C abstirbt. Eine solche Vorstellung mag plausibel klingen, da die meisten gemeldeten Fälle von Infizierten unter Personen zu finden sind, die von außerhalb Afrikas in das Land eingereist sind. Aufgrund der extrem niedrigen Anzahl von Personen, die in Ghana auf das Virus getestet werden, ist es jedoch leicht möglich, dass bereits weite Teile der einheimischen Bevölkerung infiziert sind, ohne dass dieses erkannt wurde. Andere Gerüchte verursachen direkte Schäden, indem sie Menschen zu gefährlichen Arten von Selbstmedikation verleiten, wie etwa die Einnahme von Bleichmitteln gegen eine Virusinfektion. Solche Arten von Falschinformationen verbreiten sich in der Regel schnell von Mund zu Mund, vor allem in den Teilen des Landes, in denen nur wenige Einwohner Zugang zu Fernsehen oder Mobiltelefonen haben und auch viele nicht Englisch lesen können.

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Sinkende Nutzung von Gesundheitsdiensten

Einiges deutet darauf hin, dass die Bewohner selbst in Regionen weit entfernt von den Corona-Hotspots in Ghana begonnen haben, Besuche in Krankenhäusern und Gesundheitsposten zu vermeiden, da sie annehmen, dass sie an diesen Orten in Kontakt mit Infizierten kommen könnten. Während der Ebola-Epidemie 2013-2016 wurden für den Großteil Westafrikas rückläufige Raten von betreuten Geburten gemeldet. Auch der Transport von Personen, die professionelle Hilfe benötigen, zu einer Gesundheitseinrichtung dürfte immer schwieriger werden, weil Dienstleister höhere Preise verlangen und vermeintlich infizierte Personen nicht mehr befördern.

Die gegenwärtige Praxis der Isolierung von Personen, von denen angenommen wird, dass sie mit Corona infiziert sein könnten, macht die Sache noch schlimmer. Von unseren Kontakten in der Region erreichten uns Berichte, dass in Adaklu und der Stadt Ho (die in der Nähe von Adaklu liegt und deren Universitätskrankenhaus auch die Bevölkerung des Distrikts versorgt) Personen, die wegen Symptomen, die durch Corona verursacht werden könnten, einen Arzt bzw. eine Ärtin aufsuchen oder von denen aus anderen Gründen vermutet wird, dass sie infiziert sein könnten, nicht nach Hause zurückkehren dürfen, sondern für 14 Tage in einem Gebäude auf dem Gelände des Krankenhauses unter Quarantäne gestellt werden. Angesichts dieser Praxis kann es nicht verwundern, dass viele Bewohner*innen Besuche in einer Gesundheitseinrichtung vermeiden werden – um nicht Gefahr zu laufen, unter Quarantäne gestellt zu werden, selbst wenn es keinen Nachweis gibt, dass sie tatsächlich mit Corona infiziert sind.

Explodierende Preise bei Produkten für die persönliche Hygiene

Die Marktpreise für Seife und Desinfektionsmittel, ganz zu schweigen von Schutzmasken und -kleidung, sind seit dem Ausbruch der Epidemie in die Höhe geschnellt. Dies macht es für die Menschen sehr viel schwieriger, sich ausreichend häufig die Hände zu waschen, zu einer Zeit, in der dies für die Eindämmung der Ausbreitung von Corona von zentraler Bedeutung ist.

Steigende Preise auch für Güter des täglichen Bedarfs

Die Preise für alle Arten von Gütern des täglichen Bedarfs, also nicht nur für Seife und Desinfektionsmittel, sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen. Infolgedessen wird es für immer mehr Haushalte schwierig oder unmöglich sein, alle Familienmitglieder ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Die Regierung hat darauf reagiert, indem sie die Stromrechnungen der privaten Haushalte um die Hälfte (bei Haushalten mit sehr niedrigem Einkommen um 100%) gesenkt hat – ein Schritt, der im Zusammenhang mit den für Ende dieses Jahres geplanten Parlamentswahlen gesehen werden muss, und der mittelfristig zu einer Häufung von Stromausfällen sorgen dürfte.

Arbeitslosigkeit und daraus resultierende Einkommensverluste

Während die Preise steigen, verlieren viele Beschäftigte und Arbeiter*innen in der informellen Wirtschaft infolge des Lockdowns ihren Arbeitsplatz oder werden zumindest in den unbezahlten Urlaub geschickt. Besonders betroffen sind Familien, die bereits nahe an der Armutsgrenze leben – mit absehbaren negativen Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Unvereinbarkeit mit Traditionen des öffentlichen Lebens

Die Aufforderung der Gesundheitsbehörden, das Händeschütteln zu vermeiden, und das Verbot von religiösen Zusammenkünften und Beerdigungen betrifft Lebensaspekte, die den Ghanaer*innen als heilig gelten. Wie die ghanaische Journalistin Elizabeth Ohene in einem Bericht für die BBC feststellt:

„Hier in Ghana gibt es einige Dinge, die in unserem Leben heilig sind, und niemand stellt sie in Frage – unter welchen Umständen auch immer: Religion, Händeschütteln und Beerdigungen. Das sind Themen, die nicht zur Diskussion stehen, und viele Menschen glauben, dass sie unsere Existenz definieren. [...] Das Verbot religiöser Versammlungen [...] hat große Auswirkungen auf Menschen, für die das gemeinsame Gebet und die Disziplin des religiösen Kalenders im Mittelpunkt ihres Lebens stehen”[5]

Nun aber blieben die Kirchen über Ostern, dem heiligsten Fest im Kalender der ghanaischen Christen, geschlossen. Wenn Beschränkungen dieser Art über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden sollen, sind zu ihrer Durchsetzung – und um zu vermeiden, dass in der aktuellen Situation nach Sündenböcken gesucht wird – starke Kommunikationsanstrengungen erforderlich. Auch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Familien versuchen werden, Symptome, die durch eine Infektion mit Corona hervorgerufen werden können, zu verheimlichen anstatt sie den Gesundheitsbehörden zu melden; denn niemand möchte als die Person bekannt werden, die das Virus in eine Nachbarschaft eingeschleppt hat!

Mentale Gesundheit und häusliche Gewalt

Experten, die in diesem Gebiet tätig sind, haben die Befürchtung geäußert, dass eine Abriegelung, wie sie derzeit in Accra, Tema und Kumasi besteht, eine Zunahme häuslicher Gewalt auslösen könnte; insbesondere Frauen und Kinder seien hierdurch gefährdet. Der psychische Stress, der dadurch entsteht, dass man unter beengten Lebensbedingungen, wie sie in ganz Ghana vorherrschen, sein Zuhause nicht verlassen darf, kann auch zu allgemeineren psychischen Problemen führen. Es sind Maßnahmen erforderlich, um Familien und Gemeinden bei der Bewältigung der Situation zu unterstützen, insbesondere wenn die Ausgangssperre über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird.

3.) Ausgangsbedingungen im Adaklu Distrikt, Volta Region, Ghana

Der Distrikt Adaklu ist einer der 18 Distrikte der Volta Region der Republik Ghana mit Adaklu-Waya als Hauptstadt. Der Distrikt hat laut der Volks- und Wohnungszählung von 2010 eine Bevölkerung von 36.391 Einwohnern (Schätzungen des Statistischen Dienstes von Ghana gehen von 44.300 Einwohnern im Jahr 2019 aus). Die große Mehrheit (~90%) der Arbeitskräfte im Distrikt ist in der Landwirtschaft tätig.

Adaklu ist einer der am stärksten benachteiligten Districts des Landes. Das vom ghanaischen Statistikdienst veröffentlichte Ghana Poverty Mapping Project 2015 ergab, dass die Armutsinzidenz, d.h. der Anteil der Bevölkerung des Distrikts, der unter der nationalen Armutsgrenze lebt, in der Volta-Region mit 89,7% bei weitem am höchsten (Durchschnitt: 33,3%) und im ganzen Land am zweithöchsten ist. Die Armut in Adaklu ist nicht nur weit verbreitet, sondern auch schwerwiegend: Gemäß dem Indikator “Tiefe der Armut”, der misst, wie weit unterhalb der Armutsgrenze der Lebensstandard der Armen im Durchschnitt liegt, weist Adaklu das drittschlechteste Ergebnis der 216 Distrikte Ghanas auf. Im Gegensatz zu einigen der anderen armen Teile Ghanas ist die Ungleichheit im Distrikt Adaklu jedoch sehr gering – niedriger als in jedem anderen Distrikt der Volta Region.

Die weit verbreitete wirtschaftliche Not bedeutet, dass viele Einwohner auf die landwirtschaftliche Produktion zur Selbstversorgung angewiesen sind, um über die Runden zu kommen (Subsistenzwirtschaft). Um ihr mickriges Einkommen aufzubessern, ist die Mehrheit der Frauen in Adaklu in der Lebensmittelverarbeitung und im Kleinhandel sowie in der handwerklichen Produktion für ihren Lebensunterhalt tätig.

Zu den konkreten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Corona in Adaklu gehören die folgenden:

  • Schlechte Versorgung mit Trinkwasser in vielen Teilen des Adaklu-Distrikts;
  • Geringes verfügbares Einkommen, welches für den Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs (inkl. Seife und Desinfektionsmitteln), die seit dem Ausbruch der aktuellen Epidemie wesentlich teurer geworden sind, zur Verfügung steht;
  • Die Lebensbedingungen in den Siedlungen in den meisten Teilen des Adaklu-Distrikts erlauben es nicht, Familienmitglieder von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft zu isolieren;
  • Hoher Anteil an Bewohnern, die kein Englisch lesen bzw. verstehen können und daher auf Informationen angewiesen sind, die von anderen Mitgliedern der Gemeinde weitergegeben werden.

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4.) Was ist zu tun?

Aus dem Obenstehenden lässt sich folgern, dass in der aktuellen Situation viel von der Art und Weise abhängt, wie die gegen die Ausbreitung von Corona ergriffenen Maßnahmen in die Praxis umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang betont Shannon Smith vom African Center for Strategic Studies in Washington, DC, dass:

“die Aufrechterhaltung des öffentlichen Vertrauens während dieser Pandemie von wesentlicher Bedeutung sein wird. Die Regierungen müssen wirklich kommunizieren, anstatt lediglich Maßregeln aufzustellen. Strategische Kommunikation ist ein entscheidendes Element für die öffentliche Gesundheit. Die Ebola-Epidemie in Westafrika endete letztlich aufgrund von Verhaltensänderungen, die unter sehr schwierigen Umständen stattfanden. Dies erforderte die Mitwirkung der Gemeinschaft auf lokaler Ebene, örtliche Gesprächspartner und Kommunikation”. [6]

Andere Experten pflichten ihr bei, dass die Ebene der Dorfgemeinde und der Familie von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Bewältigung der aktuellen Krise sind:

„Wie Ebola ist Covid-19 eine Familienkrankheit in dem Sinne, dass viele Infektionen zu Hause auftreten. Reisebeschränkungen können die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen, aber hilfreich ist es auch, wenn Einzelpersonen und Familien die Infektionswege verstehen und häusliche Vorsichtsmaßnahmen treffen.” [7]

Wie können Gemeinden und Familien in ihrem Lebensumfeld am wirksamsten in den Kampf gegen Corona eingebunden werden, über die reine Verbreitung von Verhaltensmaßregeln hinaus? Ist es möglich, Ansätze der Co-creation und des Co-development zu nutzen, um unter der Bevölkerung ein Gefühl der Eigenverantwortung für Maßnahmen gegen die Krankheit zu etablieren? Und welche Rolle könnte dabei moderne Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) spielen? Können wir im Kampf gegen Covid-19 davon profitieren, dass Ghana über eine enorme Verbreitung von Smartphones und ein sehr dichtes Mobilfunknetz verfügt, selbst in den abgelegensten Teilen des Landes?

Was wir brauchen, ist ein Ansatz, der dazu beitragen könnte, bewährte Praktiken im Umgang mit der Corona-Bedrohung so effektiv wie möglich auszutauschen, aber auch neue Ansätze zu entwickeln und zu etablieren, um die Ausbreitung des Virus auf eine Weise zu stoppen, die an die lokalen Bedingungen und Bedürfnisse angepasst ist – in enger Kooperation mit den Dorfgemeinschaften und den wichtigsten örtlichen Akteuren wie den Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens und den Vertretern des Ghana Health Services (GHS).

Erste Aktivitäten auf lokaler Ebene in Adaklu

Seit Mitte März 2020 vermittelt das Team der Grow Your Dream Foundation (GYDF) Informationen über Corona im Rahmen ihrer Aktivitäten in den Gemeinden in Adaklu. Bei den Treffen auf Gemeindeebene, an denen viele Mitglieder des jeweiligen Dorfes zusammenkommen, betont die GYDF die Notwendigkeit, die Bedrohung durch Corona ernst zu nehmen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, über Falschinformationen und Gerüchte aufzuklären, die über die sozialen Netzwerke und Mundpropaganda verbreitet werden, wie z.B. die nachgewiesen falsche Behauptung, dass Schwarzafrikaner gegen den Virus immun seien.

Zu den praktischen Ratschlägen gehört die Notwendigkeit, sich häufig genug die Hände mit Seife und unter fließendem Wasser zu waschen. Leider ist nur ein kleiner Teil des Adaklu-Distriktes an das leitungsgebundene Wassernetz angebunden, so dass das Händewaschen eine Herausforderung darstellt. Kommerzielle Anbieter offerieren so genannte Veronica Buckets, die aus einem Holzständer, auf dem Eimer, Handtuch und Seifenspender angebracht sind, einem Wasserhahn und einem Einer für das Schmutzwasser besteht. Veronica Buckets wurden ursprünglich in Ghana erfunden als eine einfache Möglichkeit, allen Menschen korrektes Händewaschen zu erlauben.

Der Preis für den Kauf eines Veronica-Eimers ist gering, kann aber immer noch zu hoch sein, um ihn für die ärmsten Gemeinden des Landes, wie z.B. in Adaklu, erschwinglich zu machen. Das Team von GYDF hat eine Lösung gefunden, die noch kostengünstiger ist: Indem man einen Hahn an einem gebrauchten Kanister befestigt und ihn auf einen Zaun oder eine Astgabel stellt (siehe Foto unten links), kann eine Handwaschanlage für sehr wenig Geld realisiert werden. Da solche Kanister in der Regel in jeder Gemeinde leicht erhältlich sind (da sie für den Transport von Frischwasser aus nahegelegenen Flüssen verwendet werden), kann die Einrichtung innerhalb weniger Minuten erfolgen.

Andere Gemeinden verfügen bereits über prakatische Einrichtungen zum Händewaschen, die sogenannten „Tip Taps“, die vor einer Toilette oder einem Viehstall angebracht worden sind (siehe Foto unten rechts). Sie gehen auf eine frühere Initiative einer amerikanischen Entwicklungshilfe-Organisation zurück und bestehen aus vor Ort verfügbaren Materialien. Beim “Tip Tap” wird ein Fußhebel benutzt, um das Wasser zum laufen zu bringen, wodurch das Risiko minimiert wird, sich durch Berühren eines traditionellen Wasserhahns mit einem Krankheitserreger zu infizieren.

Ausblick

Erste Bemühungen finden also bereits auch auf lokaler Ebene statt, um in Zusammenarbeit mit den ländlichen Gemeinden in Adaklu die Ausbreitung von Corona zu verhindern bzw. die Folgen der Epidemie, sollte es auch in diesem Teil des Landes zu einer Infektionswelle kommen, zu mildern. Während die ländliche Bevölkerung vergleichsweise leicht von der Notwendigkeit des Händewaschens überzeugt werden kann, ist die Umsetzung einige der anderen Anweisungen der Gesundheitsbehörden viel schwieriger. Vielen Ghanaer*innen fällt es schwer, auf das obligatorische Händeschütteln zu verzichten. Das Gleiche gilt für die Einhaltung eines Abstands von mindestens einem Meter zwischen sich und anderen Personen. Darüber hinaus kann die Furcht vor Stigmatisierung (und davor, von einer Quarantäne an einem zentralen Ort betroffen zu sein) Personen mit Symptomen, die möglicherweise mit Corona in Zusammenhang stehen, wie Husten oder Niesen, dazu veranlassen, ihren Zustand zu verbergen, anstatt ärztliche Hilfe aufzusuchen.

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Um also die Bevölkerung von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zu verhalten, bedarf es einer erheblichen Kraftanstrengung. Zentral ist eine zielgerichtete, angemessene Kommunikation mit den Bürger*innen. Dies muss auch die Bereitschaft umfassen, auf die Ängste und Wünsche der Menschen zu hören. Im Idealfall sollten die Gemeindemitglieder die Möglichkeit erhalten, geeignete Verhaltensweisen zu diskutieren und selbst Praktiken vorzuschlagen und gemeinsam zu entwickeln, die unter den herrschenden Rahmenbedingungen praktikabel und für alle Betroffenen akzeptabel sind. HITA befindet sich zurzeit in engem Kontakt mit dem Team der Grow Your Life Foundation sowie mit unseren länger etablierten Partnern vor Ort und mit einer Reihe europäischer Entwicklungshilfeorganisationen, um Mittel und Wege zu diskutieren, wie unser auf IKT, mLearning und mHealth basierender Ansatz in der gegenwärtigen Situation zum Einsatz kommen könnte und welche Schritte hierfür als nächstes notwendig sind.

Wir werden an dieser Stelle weitere Informationen veröffentlichen, sobald diese verfügbar werden.

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Artikel als PDF: Report – Covid 19 und Adaklu

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Quellenangaben:


[1]     Oleribe, O. O., Salako, B. L., Ka, M. M., Akpalu, A., McConnochie, M., Foster, M., & Taylor-Robinson, S. D. (2015) ‘Ebola virus disease epidemic in West Africa: lessons learned and issues arising from West African countries’, Clinical medicine (London, England), 15(1), 54–57. www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4954525/ [eigene Übersetzung]

[2]     Burke, J. & Okiror, S. (2020) ‘Africa’s fragile health systems rush to contain coronavirus’, 20 March, www.theguardian.com/world/2020/mar/20/africas-fragile-health-systems-rush-to-contain-coronavirus [eigene Übersetzung]

[3]     Abbey, M. et al. (2018), Pneumonia in Ghana—a need to raise the profile, International Health, Volume 10, Issue 1, January 2018, Pages 4–7, https://doi.org/10.1093/inthealth/ihx062

[4]     ibid.

[5]     Ohene, E. (2020) ‘Coronavirus: Why Ghana has gone into mourning after mass funeral ban’, online article, BBC News, 26 March, https://www.bbc.com/news/world-africa-52010868 [Eigene Übersetzung]

[6]     Smith, S. (2020) ‘Managing Health and Economic Priorities as the COVID-19 Pandemic Spreads in Africa’, online article, Washington, DC: Africa Center for Strategic Studies, https://africacenter.org/spotlight/managing-health-economic-priorities-covid-19-pandemic-spreads-africa/ [eigene Übersetzung]

[7]    Richards, P. (2020) ‘What Might Africa Teach the World? Covid-19 and Ebola Virus Disease Compared’, online article, African Arguments, 17 March, https://africanarguments.org/2020/03/17/what-might-africa-teach-the-world-covid-19-and-ebola-virus-disease-compared/  [eigene Übersetzung]