Vom Kinderglück

November 30, 2018 in Allgemein, Wissen von guenther_michels

Autor: Maximilian Glätzner

Der Blick in Weltalmanach 2018 verrät, dass im Jahre 2016 in Deutschland 82.668.000 Menschen lebten. Seit 2015 schrumpft die Bevölkerung in Deutschland jährlich um etwa 0,1 %. Eine Frau in Deutschland bekommt im Durchschnitt 1,5 Kinder. Die Geburtenraten sind also im Vergleich zum Rest der Welt gering. Von 1000 Säuglingen überleben in Deutschland ziemlich genau 99,7% ihr erstes Lebensjahr. Es sind nun wieder 99,6% von diesen Kindern, die das fünfte Lebensjahr erreichen werden; die Kinder haben dann eine durchschnittliche Lebenserwartung von 82 Jahren.

Was verraten uns diese Daten nun? Sie spiegeln lediglich statistische Realitäten wieder, die vor allem im demografischen, ökonomischen und politischen Kontext interessant sind. Der Weltalmanach verrät aber nichts über die tatsächliche Realität von Geburten und den Vorgängen. Zahlen und Daten können die Erfahrung ein Kind zu bekommen nicht darstellen.  Was bedeutet es also für eine Mutter in Deutschland ein Kind zu bekommen? Das ist natürlich von Mutter zu Mutter unterschiedlich und man müsste dazu am besten mal eine Mutter in Deutschland befragen, aber gewisse Tendenzen lassen sich auch so beobachten: In Deutschland spricht man im Allgemeinen vom Kinderglück – ein Kind zu bekommen ist für die meisten werdenden Eltern ein gute Nachricht und etwas Erfüllendes im Leben.

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Zunächst mag eine Schwangerschaft vielleicht überraschen, aber sehr schnell macht sich Freude breit. Häufig wird dann zuerst der Lebenspartner informiert und dann die eigenen Eltern, die sich als werdende Großeltern natürlich auch auf ihr Enkelkind freuen. Junge Eltern beginnen jetzt damit, sich einen Namen für ihr Kind auszusuchen und beginnen damit, Baby-Sachen einzukaufen. An alles muss gedacht sein, wenn das Kind das Licht der Welt erblickt: Kleidung, Nahrung, Fläschchen für Milch, Windeln, Spielzeuge, Kuscheltiere und vieles mehr. Vielleicht beginnt man sogar ein Kinderzimmer für das Kind einzurichten, mit den passenden Möbeln versteht sich. Andere Eltern überlegen sich nun wohlmöglich auch umzuziehen und ein neues Heim für die größer werdende Familie zu suchen.

Es gibt jedenfalls eine Menge zu tun und es scheint als würden all die anderen Bestandteile des Lebens, die vorher noch so wichtig waren – zum Beispiel die eigene berufliche Karriere – in den Hintergrund treten. Alles was nun zählt, ist das Baby und die Familie. Natürlich muss die Schwangere häufiger zum Frauenarzt, um die Entwicklung des kleinen Embryos zu beobachten und zu begleiten. Für werdende Mütter gibt es wahrscheinlich keine schlimmere Sorge, als die, dass es dem Kind im Bauch nicht gut geht, doch in den meisten Fällen verläuft eine Schwangerschaft ohne ernste Komplikationen. Es kommt der Zeitpunkt, an dem die neun Monate Schwangerschaft zu Ende gehen. Nicht selten werden Kurse besucht, um den Umgang mit einem Säugling zu lernen und zu üben. Andere lesen Bücher über Babys und Erziehung im frühkindlichen Alter und wieder andere fragen ihre eigenen Eltern um Rat, was man bei einem Neugeborenen alles beachten muss.

Schließlich bekommt man einen Termin für die Geburt und wird sich früher oder später in ein Krankenhaus begeben – natürlich gibt es auch hier Ausnahmen wie zum Beispiel ein Geburtshaus oder die Option von einer Hebamme unterstützt, das Kind zu Hause zu bekommen. Im Krankenhaus wird man intensivmedizinisch betreut und es stehen eine Reihe medizinischer Optionen zur Verfügung – sollte es Grund zu Annahme geben, dass Handlungsbedarf besteht: Liegt das Baby in der richtigen Position? Sollte gegebenenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt werden? Sollte man die Geburt mittels Medikamenten früher als geplant einleiten oder sogar hinauszögern? Natürlich kann es trotzdem Komplikationen geben. In seltenen Fällen hat das Neugeborene noch nicht die Fähigkeit eigenständig zu leben und muss in einen Inkubator und künstlich beatmet und ernährt werden. Für die Eltern ist das sicherlich nicht schön und mit Ängsten verbunden, doch ein Team von Ärzten und Pflegern helfen den Eltern dabei die Situation zu meistern.

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Die eingangs genannten Zahlen geben aber die medizinische Realität ziemlich authentisch wieder: In den seltensten Fällen gibt es Komplikationen und in den meisten Fällen können die Eltern ihr Kind schon bald zu Hause willkommen heißen.  Spätestens dann sollte der Name des Kindes feststehen, wenn man Dankeskarten schreibt für die etlichen Glückwünsche von Verwandten, Freunden und Bekannten. Das Kinderglück ist nun perfekt. Auch wenn mit Kindern und deren Heranwachsen immer auch Sorgen und Probleme verbunden sind, gibt es wenige Eltern, die es bereuen, ein Kind bekommen zu haben. Sich über Kinder zu freuen, mag hier in Deutschland selbstverständlich erscheinen und über mögliche Komplikationen sind wir uns hier zulande häufig nicht im Klaren. Die Realität von Schwangerschaften und Geburten sehen aber in anderen Gegenden des Planeten gänzlich anders aus. Als Beispiel soll uns hier Ghana dienen, da ich selbst im Sommer 2017 in Ghana war und wir mit der NGO Healthcare Information Technologies for Africa e.V., kurz HITA e.V, einen Schwerpunkt unserer Arbeit in Ghana haben.

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2016 lebten in Ghana 28.207.000 Menschen. Die Bevölkerung wächst jährlich um 2%. Das liegt vor allem an den hohen Geburtenraten in Ghana: Eine ghanaische Frau bringt im Schnitt 4,1 Kinder zur Welt. Große Unterschiede gibt es auf der anderen Seite aber auch wiederum bei den Sterblichkeitsraten. Von den neugeborenen Kindern werden nur 95,7% das erste Lebensjahr vollenden. Von diesen 95,7% werden weitere 6,2% keine vier Jahre alt. In Zahlen sind das über 56.000 Kinder jährlich in Ghana, die noch vor Vollendung ihres fünften Lebensjahres sterben. Doch selbst die Kinder in Ghana, die älter als vier Jahre werden, haben nur eine Lebenserwartung von 61 Jahren. Das sind über 20 Jahre weniger als die Lebenserwartung in Deutschland oder anderen Industrienationen beträgt. Diese zahlen lassen die ökonomische und medizinische Realität Ghanas erahnen. Das Land ist in weiten teilen immer noch von Armut geprägt und die uns bekannte medizinische Infrastruktur gibt es nur für die Privilegierten in den Großstädten. Ghanaer, die in den ländlichen Randregionen Ghanas leben (wie zum Beispiel in Ost-Ghana, wo wir als HITA e.V aktiv sind) werden nicht selten nie in ihrem Leben einen Arzt zu Gesicht bekommen. Tatsächlich gibt es in sehr vielen Gebieten einen massiven Ärztemangel, vom Mangel an Medikamenten und sonstiger Ausrüstung ganz zu schweigen. Fast das gesamte Gesundheitswesen in diesen Gegenden basiert auf nicht-ärztlichem medizinischen Personal: Krankenschwestern, Krankenpflegern und Hebammen.

Die hygienische Situation in den „Health Center“ vor Ort – das sind Krankenstationen und Arbeitsplätze der Krankenschwestern und Hebammen – ist aufgrund der mangelhaften Ausrüstung häufig katastrophal, die Infektionsrate entsprechend hoch. Gerade in der Geburtenmedizin kommt es so zu vielen tödlich verlaufenden Infektionen bei den Müttern. Es gibt keine Inkubatoren oder Beatmungsmasken für Säuglinge: Kommt ein Kind zu früh, stirbt es häufig ohne die Chance auf angemessene medizinische Versorgung. Untersuchungen während der Schwangerschaft gibt es auch viel zu selten und die Qualität dieser Untersuchungen ist mangelhaft: Komplikationen können also nicht rechtzeitig erkannt werden. Da es auch keine ausgebildeten Fachärzte gibt, kann auch nicht angemessen auf Komplikationen reagiert werden. Doch was bedeutet all das für die Menschen vor Ort? Was bedeutet das für die einzelne ghanaische Mutter, die sich über all die genannten Zahlen keine Gedanken macht und nur ihr Kind gesund auf die Welt bringen möchte? Auch diese Frage kann ich natürlich nicht wirklich beantworten, aber ich erinnere mich noch sehr gut an die schwangere Frau aus einem Health Center etwa 20 Minuten von der ost-ghanaischen Stadt Ho entfernt.

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Auch in diesem Health Care Center gibt es eine Entbindungsstation. In einem heruntergekommenen Gebäude befinden sich drei Räume, die durch Tücher voneinander abgetrennt sind. In einem dieser Räume befindet sich ein kalter Tisch aus Edelmetall, der ein bisschen an einen Seziertisch erinnert. Auf diesem Tisch lag die hochschwangere Frau, halbnackt nur in Tücher gewickelt. Es befand sich keine Decke oder Matratze auf dem Tisch. Sie war sehr aufgeregt und sehr ängstlich. Freude in ihrem Gesicht konnte ich nicht erkennen, reden wollte sie auch nicht. Sie wird sich viele Gedanken und Sorgen gemacht haben. Wahrscheinlich hat sie sich gefragt: „Was passiert, wenn etwas schief geht und mein Kind Hilfe braucht? Was passiert, wenn ich sterbe und mein Kind ohne Mutter aufwachsen muss? Was, wenn mein Kind nicht gesund auf die Welt kommt, wie werde ich ihm helfen können? Wie werde ich das Kind überhaupt ernähren?“

Die Hebamme und Krankenschwestern konnten sie natürlich auch nicht wirklich beruhigen, sie wissen ja selber, dass eine Geburt in diesen Gegenden Ghanas sehr gefährlich ist. Die Säuglingssterblichkeitsrate ist in den ländlichen Gebieten Ghanas selbstverständlich deutlich höher als zum Beispiel in der Hauptstadt Accra. Ob das Kind richtig herum lag und gesund war, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Wie die Geburt ausgegangen ist und, ob das Kind gesund auf die Welt gekommen ist und auch die Mutter überlebt hat, weiß ich nicht. Nach einer erfolgreichen Geburt wäre sie jedenfalls in das kleine Nachbarzimmer gekommen, um auf einem der fünf Betten die nächsten Tage zu verbringen – in der Hoffnung sich nicht mit einer Infektion anzustecken oder stärkere Blutungen zu bekommen. Fest steht jedenfalls, dass eine ghanaische Mutter selten nur ein Kind bekommt. Das Risiko während einer Geburt zu sterben, ist also entsprechend hoch.

Hier in Deutschland wird zwar von Kinderglück gesprochen, in Ghana ist die Realität für die Menschen leider zu oft eher ein Unglück. Die Eltern in Ghana lieben ihre Kinder natürlich trotzdem und erfreuen sich an ihnen. Was für uns aber völlig trivial erscheinen mag, ist an anderen Orten dieser Welt ein Privileg. Wir von HITA e.V  wollen das ändern, wir wollen, dass Kinder zu  bekommen für die Menschen in Ghana und in anderen afrikanischen Ländern auch ein großes Glück darstellt. Dazu versuchen wir das Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern und setzen dabei auf IT-Strukturen. Informieren Sie sich über unsere Arbeit und unterstützen Sie uns!


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Ebola – Wie HITA e.V auch ohne Impfstoff effektiv helfen kann

April 30, 2018 in Ghana, Wissen von guenther_michels

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Vor ziemlich genau 4 Jahren (Anfang 2014) brach in Westafrika das Ebola-Virus aus. Es war die tödlichste Ebola-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahre 1976: Über 28.000 Menschen infizierten sich mit dem Ebola-Virus und über 11.000 von ihnen starben. Die Dunkelziffer liegt vermutlich sehr viel höher; es ist davon auszugehen, dass viele Fälle überhaupt nicht erfasst worden sind. In den Medien war das Ebola-Virus auch hierzulande lange Zeit stark präsent, wie man es auch von anderen Krankheiten kennt wie zum Beispiel der Schweinegrippe, Vogelgrippe, EHEC oder auch als aktuelleres Beispiel das Zika-Virus. Unsere Angst vor Krankheiten und deren Folgen erklärt auch unsere Neugier ihnen gegenüber. Der Ebola-Virus war besonders beängstigend und auch in Deutschland hatten viele Menschen Angst vor der Krankheit, die in Afrika wütete. Der Grund: Es gab weder einen Impfstoff noch geeignete Arzneimittel, um das Virus angemessen therapieren zu können. Der Ebola-Virus verbreitete sich aber natürlich nicht in Europa und infizierte fast ausschließlich Menschen aus westafrikanischen Staaten (v.a. Liberia, Sierra Leone und der Senegal). In diesen Staaten herrscht Armut und es gibt keine ausreichende medizinische Infrastruktur. Dies sind selbstverständlich begünstigende Faktoren für eine Epidemie und verschärfen sie sogar.

Anfang 2016 wurde die Epidemie für beendet erklärt und die betroffenen westafrikanischen Staaten gelten seit diesem Zeitpunkt wieder als Ebola-frei.  Ende desselben Jahres wurde verkündet, einen möglicherweise tauglichen Impfstoff gefunden zu haben. Dieser wird allerdings höchstwahrscheinlich nur bei einem bestimmten Erregerstamm des Ebola-Virus helfen können. Dennoch wird mit diesem Impfstoff, der vielleicht noch in diesem Jahr (2018) die Marktzulassung erhält und damit in Produktion gehen kann, der Menschheit eine Waffe gegen die tödliche Krankheit gegeben und in Zukunft wird man dadurch hoffentlich viele Menschen vor dem Ebola-Virus bewahren können.

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Für die über 10.000 Ebola-Toten kommt diese Mittel jedoch vier Jahre zu spät. Dies offenbart   ein grundsätzliches Problem bei Virus-Epidemien: Es gibt oftmals keine direkte Therapiemöglichkeit für die Viruserkrankung; die Schutzimpfungen (passiv und aktiv) kommen meistens zu spät und stehen nicht zur Verfügung, wenn sie dringend gebraucht werden. Warum ist das so? Wie kann man das ändern? Dazu bedarf es einen kleinen Exkurs in die medizinischen Zusammenhänge:

Infektionskrankheiten, also ansteckende Krankheiten, können entweder durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht werden. Pilzerkrankungen werden in diesem Kontext allerdings außen vor gelassen. Bakterien sind kleine Organismen, die alle notwendigen Bedingungen für die Definition eines biologischen Lebewesens erfüllen: sie haben einen eigenen Stoffwechsel und können sich fortpflanzen, um nur zwei Merkmale zu nennen. Kommt es bei uns Menschen nun zu einer bakteriellen Infektion, also dem Eintritt von Bakterien in unseren Körper und kann unser Immunsystem die schädlichen Bakterien (Bakterien sind nicht per se schädlich) nicht von alleine bekämpfen, können diese Infektionen tödlich sein. In so einem Fall haben wir glücklicherweise spätestens seit 1941 Medikamente, die gegen diese biotischen (altgr. bios „Leben“) Vorgänge wirken können: die Antibiotika. Gegen Bakterien, also kleine lebendige Mikroorganismen, helfen Antibiotika, indem sie die Fortpflanzung oder den Stoffwechsel der Bakterien angreifen. Es gibt zwar verschiedene Antibiotika-Gruppen für die verschiedenen bakteriellen Erkrankungen und nicht jedes Antibiotikum ist für jeden bakteriellen Infekt geeignet, aber selbst, wenn das Bakterium noch nicht genau diagnostiziert wurde, kann man mit Breitbandantibiotika effektiv gegen den Infekt vorgehen. Wir verdanken Antibiotika eine deutlich erhöhte Lebenserwartung und eine verbesserte Lebensqualität im Vergleich zu den Menschen aus einer Zeit, in der es noch keine Antibiotika gab und eine infizierte Wunde zum Tod führen konnte.

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Soweit trifft das auf Bakterien bzw. bakterielle Infektionen zu. Viren hingegen sind im Vergleich zu Bakterien viel kleiner und zählen nicht zu den Lebewesen, da sie die erforderlichen Merkmale des biologischen Lebens nicht erfüllen: sie haben weder eine eigene Fortpflanzung noch einen eigenen Stoffwechsel (tatsächlich ist es innerhalb der Biologie umstritten, ob Viren nicht doch zu den Lebewesen gezählt werden können, da sie über Erbinformation verfügen). Antibiotika, die nur gegen biotische/lebedinge Erreger wirken können, helfen somit nicht bei viralen Erkrankungen.

Obwohl Viren keine eigene Fortpflanzung haben, vermehren sie sich. Dies funktioniert indem sie eine Wirtszelle (zum Beispiel eine menschliche) befallen und sich über diese fortpflanzen. Leidet ein Mensch an einer viralen Erkrankung und wird versucht den Virus an seiner Fortpflanzung zu hindern, müsste man die körpereigenen Zellen angreifen. Es gibt zwar Virostatika (also Medikamente gegen Viren), diese sind aber meist erregerspezifisch -Breitbandvirustatika gibt es nicht. Sofern ein Impfstoff vorliegt, kann man Menschen gegen Viruserkrankungen helfen, auch dann, wenn der Mensch beriets infiziert ist. Gibt es aber kein Mittel gegen einen spezifischen Virus, kann man nur die Symptome behandeln und dem körpereigenen Immunsystem so die Möglichkeit geben, den Virus selbst zu bekämpfen. Auf diese Weise wird aktuell auch das Ebola-Virus therapiert. Virale Erkrankungen haben für den Menschen den Vorteil, dass Viren, die einmal von unserem Immunsystem erfolgreich bekämpft wurden, in Zukunft sehr viel schneller und effektiver bekämpft werden, das unser Immunsystem eine Art Gedächtnis für Viren hat. Das ist der Grund, warum wir im Erwachsenenalter viele Kinderkrankheiten kein zweites Mal bekommen.

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Für die Impfstoffentwicklung heißt das aber, dass für jeden Virus ein eigener Impfstoff entwickelt werden muss. Ein erregerspezifisches Virustatikum muss also immer erst neu erforscht werden. Selbst wenn ein möglicher Impfstoff gefunden worden ist, müssen verschiedene Tests an Tieren und dann auch an Menschen durchgeführt werden, bevor er eine Marktzulassung erhält und produziert werden kann. Auch wenn massiv Forschungsgelder ausgeschüttet werden und alle Forscher der Welt an einem Impfstoff arbeiten, wird es immer mehrere Jahre dauern, bis dieser auch tatsächlich erhältlich ist. Natürlich können Viren auch mutieren und damit Schutzimpfungen unterlaufen.

Wird also kurzfristig ein Impfstoff für einen Virus benötigt, ist dieser in vielen Fällen schlicht nicht erhältlich. Für das Ebola-Virus wird nun vielleicht vier Jahre nach der Ebola-Epidemie ein Impfstoff vorhanden sein. Aber was ist mit dem Zika-Virus oder anderen Viren, die in Zukunft zu einer Epidemie führen könnten?! Das Problem, Impfstoffe häufig nur zeitlich verzögert zu haben, wird die Menschheit wohl auch noch die nächsten Jahrzehnte begleiten. Was ist also zu tun? Wie kann man dennoch effektiv helfen? Wie kann HITA e.V effektiv helfen?

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Eine Infektionskrankheit lässt sich am besten bekämpfen, wenn sie an der Ausbreitung gehindert wird. Wenn kein Impfstoff vorhanden ist, bleibt das Mittel der Prävention. Ein Impfstoff für das Ebola-Virus ist zwar nicht bekannt, sehr wohl aber die Übertragungswege und damit auch, wie man eine Übertragung des Virus verhindern kann. In diesem Kontext sollte festgehalten werden: Das Ebola-Virus nicht über die Luft übertragen wird. Die Schutzanzüge und die Sonderisolierstationen in den Krankenhäuser sind viel mehr eine Vorsichtsmaßnahme, da über die Luft Körperflüssigkeiten eines Ebola-Infizierten übertragen werden könnten. Normalerweise gilt aber, dass nur durch direkten Kontakt mit einem Infizierten, vor allem mit Körperflüssigkeiten, eine Übertragung erfolgen kann. Für einen kurzen Zeitraum ist eine Übertragung auch durch Gegenstände möglich (zum Beispiel die Kleidung eines Infizierten), sofern diese in Kontakt mit infizierter Körperflüssigkeit gekommen ist. Solange man keine offenen Wunden an den Händen hat (auch keine kleinen Hautrisse) kann man den Virus sogar durch Händewaschen von der Hand entfernen. Einfachste Hygienemaßnahmen können ausreichen, um sich vor dem Virus effektiv zu schützen.

Das Problem liegt eigentlich an einer anderen Stelle: Dieses Wissen über Infektionskrankheiten und der Übertragung des Ebola-Virus ist den Betroffenen in den meisten Fällen nicht bekannt. Wie eingangs bereits geschrieben, sind vor allem arme Menschen von der Erkrankung betroffen. Hinzu kommt die Kultur der Menschen in Westafrika: Gegessen wird vor allem mit den Fingern, oftmals auch ohne sich vorher die Hände zu waschen. Dies geschieht aus Unwissenheit über Hygiene und Infektionskrankheiten heraus. Außerdem werden tote Angehörige von den Familien gewaschen, sodass auch auf diese Weise häufig Übertragungen stattgefunden haben, wenn der Tote mit dem Ebola-Virus infiziert war. Die Regierungen der betroffenen Staaten haben natürlich darauf reagiert und mit Plakaten überall im Land versucht die Bevölkerung zu informieren und zu Hygienemaßnahmen aufzufordern. Doch auch diese Plakate haben vielen Menschen nicht mehr helfen können.

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Es stellt sich also die Frage, wie man auf schnellstem Wege die Masse der Menschen erreichen kann. Es gibt in Liberia ein flächendeckendes Mobilfunknetz. Dies ist zwar sehr störungsanfällig, aber es funktioniert und in Liberia kamen im Jahr 2014 etwa 733,5 Mobilfunkverträge auf 1000 Einwohner (Zahlen von weltalmanach.de entnommen). Es ist schwer zu glauben, aber die Hauptstadt Liberias hat keine funktionierende Abfallentsorgung, Mobilfunknetz gibt es aber auch in den ländlichsten Regionen Liberias. Mit den anderen Staaten, die vom Ebola-Virus betroffen waren, sieht es genauso aus. Wir von HITA e.V haben dieses Potenzial schon früh erkannt und versuchen seitdem diese vorhandenen IT-Strukturen in Afrika für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu nutzen. Wenn jeder Handybesitzer in Liberia über sein Handy Informationen über das Ebola-Virus erhalten könnte und diese Informationen/Anweisungen umsetzen würde, wäre der Prävention Genüge getan. Das können einfache Textnachrichten sein, aber auch Videos oder Animationen, in denen komplexe Zusammenhänge erklärt werden. Bis hin zur Telemedizin ist alles möglich. Über das Mobilfunknetz kann man zudem auch kurzfristig reagieren.

Wir suchen mit einfachsten Mitteln – indem wir nämlich bereits vorhandene Strukturen nutzen – das Gesundheitssystem in Afrika effektiv zu verbessern. Indem wir auf moderne zukunftsfähige Technologien setzen, sind wir in der Lage auf zukünftige Probleme zu reagieren und sie zu lösen. Haben Sie Fragen zur Arbeit von HITA e.V oder wollen Sie wissen, wie Sie uns unterstützen können? Dann kontaktieren Sie uns. Schreiben sie uns zum Beispiel eine Email an info@hita-ev.org.

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Dezember 7, 2017 in Allgemein, Wissen von guenther_michels

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2. Virtuelle Pflegekonferenz: Vortrag Thomas Erkert

November 7, 2017 in Explorative Studie, Konferenz, Wissen von guenther_michels

Nach dem großen Erfolg der 1. Virtuellen Pflegekonferenz knüpft das Netzwerk für Innovationen und Technologie in der Pflege (NITiP) daran an und bot am 6. September von 12 bis 17 Uhr eine Neuauflage des Formats als 2. Virtuelle Pflegekonferenz mit zehn präsentierenden Rednern an, darunter auch HITA-Vorsitzender Thomas Erkert, der über “Mobile Pflege-Schulungen in Afrika” referierte.

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Das Arbeitsumfeld der beruflichen Pflege verändert sich im schneller und die Komplexität, der Druck und der Fachkräftemangel wirken sich zunehmend problematisch aus. Den Pflegefachkräften bleiben oft nur wenige Möglichkeiten sich zu aktuellen innovativen und technologischen Entwicklungen zu informieren. Das Netzwerk für Innovationen und Technologien in der Pflege (NITiP) möchte daher die Anbieter innovativer und technologischer Produkte und Dienstleistungen und die Pflegefachkräfte zusammenbringen und sich über neue Lösungen am Markt, erfolgreiche Projekte und zukünftige Entwicklungen  austauschen.

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Themen & Vorträge:
12:00 – 12:30 – 5 Argumente gegen die Digitalisierung in der Pflege [Heiko Mania | NursIT Institute GmbH]
12:30 – 13:00 – Projekte zur Digitalen Zukunft der Pflege [Maxie Lutze | VDI/VDE Innovation + Technik GmbH ]
13:00 – 13:30 – Digitale Pflege in der Psychiatrie [Murat Söyler | NursIT Institute GmbH]
13:30 – 14:00 – Wunddokumentation per App [Chrysanth Sulzberger | imito AG]
14:00 – 14:30 – Das Patientenzimmer der Zukunft [Jan Schumann]
14:30 – 15:00 – Storytelling in der Demenz-Pflege [Mélina Garibyan | StoryAtelier gGmbH]
15:00 – 15:30 – Mobility Monitor – der Sensor unter der Matratze des Patienten [Stephane Kaus | compliant concept AG]
15:30 – 16:00 – Mobile Pflege-Schulungen in Afrika [Thomas Erkert | Health-IT for Africa e.V.]
16:00 – 16:30 – Ende des Blindflugs–Wie Pflege Echtzeitkennzahlen für die Versorgung nutzen kann [Dr.Dirk Hunstein EPA-CC]
16:30 – 17:00 – Mobile Wunddokumentation mit intelligenter Wundkamera [Andreas Zwißler | ACD Elektronik GmbH]

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Das vollständige Video ist online auf der der Webseite des Netzwerks für Innovationen und Technologien in der Pflege und auf dem Youtube Kanals der NursIT Institute GmbH. HITA Vorstand Thomas Erkert hielt als achter Redner um 15:30 Uhr seine Präsentation, hier der Mitschnitt:

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Die 3. Virtuelle Pflegekonferenz findet am 6. Dezember statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, auch können sich Redner für Präsentationen bewerben. Bereits feststehende Vorträge: 12 bis 12:30 Uhr – Wie Roboter und Pflege-Expertensoftware die Pflege unterstützen können [Heiko Mania | NursIT Institute GmbH] Interessierte können sich hier verbindlich anmelden.

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INFOTHEK

Youtube Kanal NursIT Institute GmbH: https://www.youtube.com/channel/UCM0ohqZMoHA1FQOJJ7OKDjg

Netzwerk für Innovationen und Technologien in der Pflege:   http://nitip.de

2. Virtuelle Pflegekonferenz: http://nitip.de/2-virtuelle-pflegekonferenz/

Vollständiges Video (2.Virtuelle Pflegekonferenz): https://www.youtube.com/watch?v=RHmhcWIgX-c

Die universelle Geschichte: Lernen aus der Vergangenheit

März 1, 2017 in Allgemein, Ghana, Wissen von guenther_michels

Autor: Maximilian Glätzner  (HITA Experte – Kontakt: maximilian.glaetzner@hita-ev.org)

“Those who cannot remember the past are condemned to repeat it“; diese Worte stammen von George Santayana, einem us-amerikanischen Philosophen und Schriftsteller. Unabhängig davon, was Santayana damit eigentlich ausdrücken wollte, dient das Zitat häufig als Warnung vor einer Wiederholung der Geschichte. Viele glauben, die Geschichte wäre ein sich wiederholender Zyklus. Das stimmt so aber nicht; die Geschichte wiederholt sich natürlich nicht. Wenn sich die Geschichte wiederholen würde, dann könnten wir mit Sicherheit sagen, was morgen oder in Zehen Jahren auf uns zukommt. Dem ist aber nicht so; niemand kennt die Zukunft, immer wieder passieren Dinge, die uns überraschen. Mitnichten hat die Geschichte einen Wiederholungscharakter, aber sie hat einen universellen Charakter: In historischen Prozessen lassen sich Muster erkennen und wir können historische Prozesse auf die heutige Zeit übertragen. Wir können das aus einem Grund: Die Geschichte wird durch Menschen gemacht und die Menschen haben sich in ihrem Wesen und ihren Grundzügen nicht verändert. Folglich sind die Grundzüge und Strukturen innerhalb der Geschichte immer dieselben gewesen. Diese Erkenntnis bietet natürlich Raum für Resignation. Wir müssen nämlich begreifen, dass obwohl die Zeit fortschreitet und wir Fortschritt erleben, die Menschen doch immer noch mit den selben Problemen kämpfen. In Geschichtsfatalismus zu verfallen wäre jedoch der falsche Weg. Es ist wichtig sich bewusst zu machen,  dass die Möglichkeit historische Prozesse auf die heutige Zeit übertragen zu können auch die Möglichkeit bietet aus der Geschichte zu lernen. Vielleicht kann man das eingangs erwähnte Zitat von George Santayana umformulieren: „Wer die Geschichte nicht kennt bzw. verkennt, kann nicht aus ihr lernen.“. Nun handelt es sich dabei nicht bloß um eine philosophisch metaphysische Erkenntnis. Diese Erkenntnis lässt sich auch praktisch anwenden. Ich möchte dies anhand der medizinischen Situation in Ghana verdeutlichen.

Vorweg sollte man feststellen, dass jeder nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung eine medizinische Entwicklung vorausgehen sollte. Kein Staat wird sich auf lange Sicht positiv entwickeln können, wenn ein Großteil der Bevölkerung, bedingt durch Krankheit und schlechter medizinischer Versorgung, nur eine geringe Lebenserwartung hat. Das Gesundheitssystem in einem Staat zu verbessern hat also nicht nur positive Folgen für die Bevölkerung an sich, vielmehr wird so dem gesamten Staat bei seiner Entwicklung geholfen.

Obwohl Ghana ökonomisch und politisch besser aufgestellt ist als viele andere afrikanische Staaten, sterben auch in Ghana immer noch viele Menschen an Krankheiten, die eigentlich heilbar wären. Schuld dabei trägt ein unzureichendes Gesundheitssystem. Die positive Entwicklung der ghanaischen Wirtschaft in den letzten Jahren führte zur Landflucht und damit auch zu Ballungszentren. Die Menschen verlassen die schlecht angebundenen ländlichen Regionen und ziehen in die Städte, die in Folge unnatürlich schnell wachsen. Die wichtigen Infrastrukturen, also die Abwassersysteme, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und eine funktionierende Müllentsorgung, wachsen aber nicht mit gleicher Geschwindigkeit mit. Die Folgen wurden bereits erwähnt: Infektionskrankheiten wie Cholera und Typhus breiten sich aus und enden vor allem für Kinder häufig tödlich.

Exakt diese Beschreibung trifft auch auf Europa in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu. Im Zuge der Industrialisierung kam es auch in Europa zur Landflucht und somit zu Ballungszentren, in denen sich Infektionskrankheiten ungehindert -medizinische Infrastruktur fehlte nämlich auch hier- ausbreiten konnte. Opfer waren selbstverständlich die Schwachen aus den unteren sozialen Schichten. Wir können problemlos die damaligen europäischen Prozesse auf die Situation in Ghana übertragen, eben weil die Geschichte einen universellen Charakter hat. Es bleibt also die wichtige Frage, wie die damaligen Probleme gelöst wurden und wie man den katastrophalen Verhältnissen entgegengewirkt hat.

Geschichte2

Um diesen Problemen Herr zu werden, war ein langer Prozess notwendig, der die westliche Schulmedizin zu dem machte, was sie heute ist. Im Mittelalter war die Medizin von der Vorstellung geprägt, die Gesundheit des Menschen wäre von lediglich vier Säften im menschlichen Körper abhängig (Humoralpathologie bzw. Vier-Säfte Lehre). Es wurde angenommen, dass man diese vier Säfte im Gleichgewicht halten müsse, weil sonst Krankheit entstehen würde. Es kam so zu völlig abstrusen Behandlungsmethoden wie dem Aderlass, der nicht selten zum Tod des Patienten führte. Häufig wurden diese medizinischen Annahmen noch mit der Astrologie oder anderen religiösen Vorstellungen in Verbindung gebracht. Es versteht sich von selbst, dass die Medizin von damals nur wenig zum Gemeinschaftswohl beigetragen hat. Mit der Aufklärung entwickelten sich nicht nur die modernen Naturwissenschaften, auch die Medizin wurde fortan naturwissenschaftlich betrieben und moderne Paradigmen setzen sich durch. Das Zeitalter der Industrialisierung, das aus medizinischer Sicht – wie bereits erwähnt- von Infektionskrankheiten geprägt wurde, führte zur Erforschung der selbigen: Man entdeckte die Mikroorganismen und die Bakteriologie setzte sich durch. Das war der entscheidende Meilenstein für die europäische Schulmedizin. Nun war bekannt, dass es nicht etwa die schlechte Luft war, die krank machte, sondern kleinste Organismen. Nach und nach wurde man sich der Bedeutung von Hygiene bewusst. Abwassersysteme wurden errichtet, die medizinische Infrastruktur im Allgemeinen ausgebaut, Gesundheitsämter gegründet und als die Ärzte angefangen haben sich vor operativen Eingriffen nur die Hände zu waschen, stiegen die Erfolge bei Behandlungen signifikant. Später entwickelte man auch Desinfektionsmittel und Antibiotika und nach dem Ersten Weltkrieg spielten Infektionskrankheiten keine so große Rolle mehr in Europa. Hätte man das Wissen über die Bedeutung von Hygiene (sowohl in den Städten, als auch in den Krankenhäusern bzw. Lazaretten)  einige Jahrzehnte früher zur Verfügung gehabt, wären Millionen Menschen nicht gestorben.

Es sind eben auch diese, eigentlich banalen, Erkenntnisse, die helfen könnten die medizinische Situation in Ghana deutlich zu verbessern und sämtlichen Infektionskrankheiten wirksam und präventiv entgegenzuwirken. Vor allem handelt es sich nicht um schwer zu begreifende medizinische Sachverhalte, es sind relativ einfach zu verstehende Inhalte, die man auch sehr gut über Kommunikationssysteme, also zum Beispiel über Mobilfunktelefone, verbreiten könnte. Man stelle sich nur einmal vor, dass das medizinische Personal in Ghana mit Hilfe eines Mobilfunktelefons eine Checkliste mit den wichtigsten Hygieneanforderungen im medizinischen Bereich durchgehen kann. Das Wissen über Hygiene könnte auf diese Weise auch die nördlichen schlechter angebunden Gebiete Ghanas erreichen, ohne, dass dort studierte Ärzte praktizieren müssen.

Schlussendlich bleibt nur zu betonen, dass dieser Artikel auf keinen Fall eine exakte Handlungsanweisung bietet, was zu tun ist. Es sollte aber deutlich werden, dass wir die europäische Geschichte und die europäischen Entwicklungen (v.a. im medizinischen Bereich) ohne größere Probleme auch auf afrikanische Länder übertragen und von ihnen lernen können. Die Geschichte ist eben universell.

von Maximilian Glätzner  (HITA Experte – Kontakt: maximilian.glaetzner@hita-ev.org)