Interview mit Professorin Kirstin Kohler – Hochschule Mannheim / inno.space

Juli 22, 2020 in HITA Radio, Partner, Projekte von guenther_michels

Co-Innovation von Studierenden der Hochschule Mannheim mit der Non-Profit-Organisation HITA e.V. im Kontext Digital Health – Eine Win-Win-Situation für die Beteiligten

Digitale Innovation wird häufig von technischen Fragestellungen getrieben. Dies spiegelt sich auch in den Curricula der entsprechenden Studiengänge wie Informatik oder Nachrichtentechnik. Doch die Entwicklungen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass Softwaresysteme große Auswirkungen auf gesellschaftliche Veränderungen haben können und ihre Gestaltung im soziokulturellen Kontext betrachtet werden muss, um deren nachhaltige Bedeutung abschätzen zu können. Man beachte bspw. die Wirkung von sozialen Medien oder die jüngsten Diskussionen zur Verwendung einer Corona App als prominente Vertreterin digitaler Innovationen. Hochschulen müssen sich also Lehrkonzepte überlegen, die die Studierenden für ihre soziale Verantwortung sensibilisieren und sie befähigen, Technikgestaltung von einer sozialen, gesellschaftlichen bzw. menschzentrierten Perspektive aus zu betreiben. Denn erfolgreiche digitale Innovation kann nur entstehen, wenn Nutzerzentriertheit und technischer Fortschritt im Einklang stehen und im kulturellen Kontext eingebunden sind.

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Im Kurs User Centered Innovation haben 8 Studierende des Masterstudiengangs Software Engineering der Hochschule Mannheim in Zusammenarbeit mit HITA e.V. gezeigt, wie es gelingen kann, gemeinsam einen Mehrwert für eine gemeinnützige Institution zu schaffen und gleichzeitig die oben beschriebenen Kompetenzen im Rahmen eines Kurses zu entwickeln. HITA e.V. ist eine gemeinnützig tätige Nichtregierungsorganisation, deren Vision es ist, mithilfe von eHealth- und mHealth-Technologien zur Optimierung von Gesundheitssystemen in Afrika beizutragen. Während des projektbasierten Kurses haben die Studierenden über einen Zeitraum von 15 Wochen eine Lösung zu einer Herausforderung aus dem Alltag der HITA erarbeitet. Gleich zu Beginn des Projektes hat HITA die Studierenden mit folgender Frage konfrontiert: „Wie kann durch digitale Innovation das klinische Management und die Organisation einer lokalen Gemeindeklinik in Ghana unterstützt werden?“ Motiviert war diese Fragestellung durch die Erfahrungen der beiden HITA-Vertreter Thomas Erkert und Daniel Gerlach, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit über umfassendes Hintergrundwissen zum ghanaischen Gesundheitssystem verfügen.

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Die Hochschule verfolgt einen Ansatz der nutzerzentrierten Innovation, in dem Kreativmethoden, Prototyping und Nutzerinterviews angewendet werden, zum Beispiel nach der Design Thinking-Methodik. Dabei arbeiten die Studierenden mit sogenannten „Assignments“. Dies sind wöchentliche Aufgabenstellungen, mit denen die Studierenden schrittweise Methoden erlernen, um die komplexe Fragestellung zu bearbeiten, die an sie herangetragen wird. Die Fragestellung führt zunächst bei den Studierenden zu einer Unsicherheit, da sie wesentlich offener ist als die Fragestellungen anderer Kursformate. Die damit einhergehenden Freiheitsgrade des Lösungsraums sind ungewohnt und überfordern zunächst. Unter methodischer Anleitung der betreuenden Lehrkraft fand in den ersten Wochen die Exploration des Problemraums durch die Studierenden statt. Dazu gehörte es, Besonderheiten und Abläufe des ghanaischen Gesundheitssystems zu erkunden und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes zu verstehen. Dies hat den Studierenden die großen Unterschiede in Bezug auf Hygiene, Bettenkapazitäten, Behandlungsmethoden, Abläufe und Einrichtung der medizinischen Zentren im Vergleich zum eigenen Gesundheitssystem verdeutlicht. Basierend auf diesen Einsichten wurden verschiedene Personas erstellt, die die Erkenntnisse zur Zielgruppe und ihren täglichen Herausforderungen dokumentieren (in diesem Fall wurden Hebamme, Krankenschwester und Patient betrachtet). Das Beispiel der Krankenschwester ist in der Abbildung unten dargestellt.

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Mit Blick auf die Zielgruppen waren die Studierenden dann gefordert, aufbauend auf ihrer umfassenden Kenntnis digitaler Technologie verschiedene Lösungen zu erdenken und diese grob zu skizzieren. Die Arbeit fand in Kleingruppen statt und hat zunächst zu mehr als 40 verschiedenen Ideen geführt. Aus diesen haben die Studierenden fünf Ideen zu sogenannten Low-Fidelity Prototypen weiterentwickelt. Dabei handelt es sich um Vorstufen des Produktes, die aus einfachen Materialen wie Papier und Pappe in kurzer Zeit erstellt werden. Die Ideen werden also zunächst nicht in Code umgesetzt, sondern in Konzeptrepräsentationen, die lediglich der Kommunikation und Diskussion dienen. Aus den sehr unterschiedlichen Konzeptideen wurden im Dialog mit den HITA-Vertretern die zwei vielversprechendsten ausgewählt. In den folgenden Wochen haben die Studierenden diese durch mehrere Iterationen zu clickbaren Demonstratoren auf dem Zielgerät ausgearbeitet. Es kamen wiederholte Methoden zum Einsatz, die die Güte der Ausarbeitung von verschiedenen Perspektiven aus beleuchteten (bspw. User Experience, Machbarkeit, Kosten).

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Während des gesamten Kurses standen die HITA-Experten mit viel Einsatzbereitschaft im Dialog mit den Studierenden, um Fragen zu Ghana zu beantworten oder Rückmeldung zu den Konzeptideen zu geben. Die Studierenden konnten durch die intensive Beschäftigung mit dem ghanaischen Kontext erleben, wie eng der Einsatz einer Anwendung im konkreten Kontext mit deren Ausgestaltung und Implementierung verwoben ist. Das Highlight des Kurses war ein geführter Nutzertest mit dem ghanaischen Krankenhaus, in dem die Studierenden im Rahmen einer einstündigen Videokonferenz die Chance hatten, verschiedene Vertreter einer Klinik in Ghana durch ihre digitale Lösung zu führen, um deren Akzeptanz zu erkunden und Bedenken entgegenzunehmen. Dies war vor allem deshalb möglich, weil die HITA-Vertreter im Rahmen ihrer Reise nach Ghana die Videokonferenz vor Ort organisieren konnten. Zum Stolz aller Beteiligten waren die Rückmeldungen der potentiellen Nutzer überaus positiv und gaben ergänzende, wertvolle Impulse. Den offiziellen Abschluss des Projektes bildete schließlich eine umfassende Präsentation des Gesamtergebnisses durch die Studierenden vor Thomas Erkert und Daniel Gerlach von HITA e.V. auf dem Hochschul-Campus.

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Die Kooperation mit der HITA e.V. war aus Sicht der betreuenden Professorin ein großer Gewinn für die Lehre. Sie hat den Studierenden ein Lernerlebnis ermöglicht, in dem sie die Folgen ihrer Technikentscheidungen in einem gesellschaftlichen Kontext reflektieren mussten. Auf diese Weise konnten die Studierenden sich ihrer Verantwortung, aber auch ihrer kreativen Möglichkeiten, bewusst werden. Gleichzeitig wurden sie für die Gegebenheiten einer anderen Kultur und Gesellschaft sensibilisiert, die von weit mehr Einschränkungen geprägt ist als die eigene Lebenswirklichkeit.

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Der Kurs fand im inno.space (https://inno-space.de) statt, dem Kreativ- und Makerspace der Hochschule Mannheim, die Teil des weltweiten Design Factory Global Netzwerkes (https://dfgn.org) ist. Dort arbeiten Studierende nach dem Prinzip des Action-Based-Learnings in kreativer Lernumgebung ausschließlich an realen Fragestellungen. Im Gegensatz zur Kooperation mit HITA e.V. beschäftigen sich viele weitere inno.space-Projekte mit Herausforderungen von Firmen und sind damit stark von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Durch die Zusammenarbeit mit einem Non-Profit-Unternehmen wie HITA e.V. gelingt es, die Nachhaltigkeit und das Allgemeinwohl stärker in den Fokus eines Kurses zu rücken. Eine Aufgabe, die die Hochschulen, als Einrichtungen mit gesellschaftlicher Verantwortung, zunehmend wahrnehmen. Alles in allem war das Projekt eine glückliche Win-Win-Situation, wie sie sich nur selten ergibt und aus Sicht der Hochschule Mannheim hoffentlich eine Wiederholung findet.

In einem aufschlussreichen Interview berichtet Professorin Kirstin Kohler von der Entstehung und Entwicklung des Projektes. Mit im Gespräch ist außerdem Daniel Gerlach von HITA:

Hochschule Mannheim

Prof. Kirstin Kohler - Koordinatorin inno.space – Design Factory Mannheim – Professur für User Experience Design

Email: k.kohler@hs-mannheim.de  -   Webseite: www.inno-space.de

Health Care Information Technologies for Africa e.V. (HITA e.V.)

Thomas ErkertVereinsvorsitzender von HITA e.V. – thomas.erkert@hita-ev.org

Daniel Gerlach – Experte im Vorstand von HITA e.V. – daniel.gerlach@hita-ev.org

Podcast zum Projekt: https://hearthis.at/hita-radio/erkert-gerlach-15-06-2020/

Artikel zur Videokonferenz: https://www.hita-ev.org/?p=4149

Zwei Lehrerinnen auf dem Weg nach Ghana – Carlo Mierendorff to Mawuku

Dezember 17, 2019 in Ghana, HITA Radio, Partner, Projekte von guenther_michels

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Die Lehrerinnen Petra Knott und Rachida Aouad von der Frankfurter Carlo-Mierendorff-Schule machen sich am 27. Dezember gemeinsam mit HITA wieder auf die Reise nach Ghana. Bei diesem zweiten Besuch wird mit der Mawuku Schule in der Volta Region der Kooperationsvertrag zwischen beiden Schulen unterschrieben. Während eines ersten Aufenthalts im April 2019 besuchten die zwei Lehrerinnen bereits mit HITA verschiedene Schule vor Ort, um eine Partnerinstitution auszuwählen. Dabei lernten sie Lehrer und Schüler, aber auch Land und Leute kennen, unterrichteten selbst, konnten gemeinsam mit den anderen Lehrkräften Ideen zu Projekten entwickeln und haben sich in das fantastische ghanaische Essen verliebt. Nach schwierigen und engen Abwägungen ging die Wahl für die Partnerschule schließlich an die Mawuku Girls’ Senior High School. Für 2020 ist ein Lehrer-Austausch geplant und Skype Stunden zwischen den Schülern in Ghana und Deutschland sollen entstehen. Der interkulturelle Austausch zwischen den Schülern unterstützt die politische und sozialwissenschaftliche Bildung, aber auch Geographie, Geschichte und vor allem die direkte praktische Nutzung der englischen Sprache. Gleichzeitig lernen die Schüler die Kultur und Gesellschaft des jeweils anderen kennen und üben sich in Kommunikation.

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Vor zwei Jahren startete das Projekt mit Vorträgen von HITA Vorsitzendem Thomas Erkert in den Schulklassen. Die Schüler waren sogleich motiviert, hatten kreative Mitmach-Ideen und gestalteten bisher verschiedene eigene Spendenprojekte und Aktionstage. Momentan ist wieder eine Spende an Spielsachen für ghanaische Schüler in dem zweiten HITA Container nach Accra unterwegs, es konnte aber auch mit Flohmärkten und Kuchenverkäufen Geld gesammelt werden.

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Damit die Schüler in Ghana mit den Schülern in Frankfurt kommunizieren können, dazu legt HITA die Grundsteine. Unsere NGO installiert die Voraussetzungen für die Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten, baut Computer Labs und Internet- oder Intranet-Verbindungen auf. In jeweils einem Interview erzählen Petra Knott und Rachida Aouad von ihren ersten Erfahrungen in Ghana, den Projekten und den anstehenden Planungen für die kommende Reise.

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The students of the Carlo-Mierendorff-Schule collected money for the students in Ghana by selling flea markets on Acton Day this year.

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Rachida Aouad und Petra Knott bei ihren Schulbesuchen im April 2019.

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Die Jungs haben sich quasi für das Projekt “geopfert”. Für einen kleinen Preis konnte man sich Wasserbomben kaufen und auf die tapferen Zielscheiben werfen.

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Die Frankfurter Lehrerinnen brachten den Schülerinnen in Ghana was bei, als Dankeschön brachten die Schülerinnen dann Rachida und Petra einen ghanaischen Tanz bei.

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An einem der Aktionstage wurde von den Schülern für den Kuchstand sogar eine “Ghana-Torte” mit Glasur in Fahnen-Farben fabriziert.

Deutsche ASA Teilnehmerinnen auf dem Weg nach Ghana

August 14, 2014 in ASA Programm, Hebammen Projekt, HITA Radio von guenther_michels

Katharina Abel,  Manuela Bauer, Sarah Lauren Harris und Franziska Manthey unsere vier ASA-Stipendiatinnen reisen heute nach Ghana, um dort die nächsten 3 Monate an ihren Projekten zu arbeiten.

Franziska und Manuela werden die ersten zwei Wochen in der Hauptstadt Accra stationiert sein, um ein Praktikum an dem Universitätskrankenhaus Korle Bu zu absolvieren. Franziska ist eine ausgebildete Hebammen und Manuela eine ausgebildete Krankenschwester. Danach gehen beide nach Tepa im Nordwesten und werden dort 4 Wochen bleiben. Nach dieser Phase steht Kintampo auf dem Plan, wo die zwei auf Sarah and Katharina treffen werden und von dort aus verschiedene Schulen besuchen werden. Die letzten zwei Wochen des Austauschprogramms finden wieder in Tepa statt. In Ghana werden Franziska und Manuela wieder mit den Hebammen Afua Sarpong und Sandra Opoku, die in der Nordphase in Deutschland waren, zusammenarbeiten.

Sarah Lauren Harris und Katharina Abel sind unsere Experten für die Kintampo Rural Health Training School. Sie sind beide Expertinnen im E-Learning und werden E-Learning-Unterrichtsmodule basierend auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Lehrer und Schüler in Kintampo entwickeln. Sie sind beide am Feld psychische Störungen interessiert und sind daher auch an der Einrichtung in Kintampo stationiert, die die entsprechenden Schwerpunkte gesetzt hat. Ihre Aufgabe ist es verschiede Unterrichtseinheiten zu entwickeln und diese in verschiedenen Schulumgebungen zu testen. Hierzu zählen auch die verschiedenen Voraussetzungen in ländlichen Regionen sowie in städtischen Gegenden. Sarah strebt ihre Master Thesis im Gesundheitswesen an und wird für ihr praktisches Studienjahr weitere 4 – 6 Monate in Ghana bleiben, nachdem sie das Praktikum beendet hat und mit HITA korespondieren.

Bevor die 4 Projektteilnehmerinnen ihre Reise antraten gaben Sie noch ein Interview. Die Streams findet ihr hier auf unserer Audioplattform HITA Radio.

HITA-Radio ist umgezogen

August 8, 2014 in Allgemein, ASA Programm, Hebammen Projekt, HITA Radio von guenther_michels

Wir sind von Soundcloud zu Hearthis umgezogen. Hier der Link zur neuen Audioplattform:

hearthis.at/bYG8JTWQ/

Wir haben leider bei Soundcloud das maximale Upload-Limit von 2 Stunden erreicht und müssten für das Hochladen von weiterem Material bezahlen. Da wir kein Geld haben und das vorhandene in die Projekte zur Entwicklungshilfe stecken, sind wir zur Audioplattform “Hearthis.at” umgezogen, die für Starter, junge Künstler und Wenigposter (aber über 2 Stunden hinausgehend) bessere Konditionen bietet. Hier können wir kostenlos so viel hochladen, wie wir möchten, Gebühren entstehen erst nach einer Aufrufanzahl von über 5000 Klicks. Das sollte erst mal genügen.

Auf der neuen Plattform findet ihr die alten Interviews, außerdem neue Diskussionsrunden mit HITA-Vorsitzender Hildegard Mackert, Gründer Thomas Erkert bietet eine aufschlussreiche Entstehungsgeschichte des Vereins, EU-Antragsteller Karsten Gareis ist im Gespräch, neue Interviews zum Hebammentagebuch und Beiträge von ASA-Stipendiaten, die für neue Projekte nach Ghana reisen werden sind ebenfals online.